A Travellerspoint blog

Tag 8

overcast 10 °C

Die Nacht über hatten wir gute Fahrt gemacht und auch keine Wartezeiten oder Probleme an den acht Schleusen gehabt. Wir hatten etwas länger geschlafen und ein spätes Frühstück genommen. Gerade als wir die letzte Schleuse am Main bei Viereth kurz vor Bamberg passiert hatten, ertönte über Lautsprecher die Ansage, dass unser Anlegeplatz im Hafen von Bamberg noch nicht frei sei, da wir zu früh dran waren. Wir würden außerhalb der Schleuse anlegen und die Matrosen würden die Zeit nutzen, um das Schiff und die Fenster zu reinigen. Vorsicht sei geboten, wenn man das Außendeck benutzt, damit man nicht nass wird.

Ein Polizeiboot kam vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und fuhr bald wieder weiter. Wir hatten in der Nähe des Mainradweges angelegt. So konnten wir den geübten und weniger geübten Radfahrern zusehen. Gegenüber war ein großer Campingplatz, der gerade zum Leben erwachte. Nach etwa einer Stunde Aufenthalt setzten wir unsere Fahrt fort. Golden leuchteten die Rapsfelder, an denen wir vorbeifuhren. Zwischendurch waren immer wieder zugedeckte Spargelfelder, wo man gerade dabei war die ersten Stangen zu ernten.

Ich stand am Außendeck, denn kurz vor Bamberg würden wir den Main links liegen lassen und ein kurzes Stück auf der Regnitz fahren, bevor wir schließlich den Main-Donau-Kanal erreichen würden. Immer wieder gingen links und rechts des Mains Seitenarme weg oder es mündeten kleine Flüsse in den Main. So konnten wir nicht genau sagen, auf welchem Gewässer wir uns gerade befanden. Von der Kreuzfahrtleitung hörte man auch kein Wort. Wahrscheinlich wusste er selber nicht, wo der Kanal anfing. Am Ufer sah ich eine „Eins“ stehen, also hatten wir mit Sicherheit die Regnitz erreicht. Als wir in den Hafen Bamberg einfuhren, waren auch andere Matrosen dabei, die Schiffe zu waschen.

Als ich in die Panorama Bar zurückkehrte, lief der Film „Der Scheibenwischer“. Die Kabarettsendung aus den 80iger Jahren hatte den Bau des Main-Donau-Kanals zum Thema. Der Kanal war zur Zeit seines Baues sehr umstritten. Um 12:00 Uhr wurden die Tore zum Speisesaal geöffnet. Kurz nach dem Essen um 13:45 Uhr versammelten wir uns, um die Kabinenschlüssel gegen die Landkarten zu tauschen und begannen das Schiff Richtung Busparkplatz zu verlassen. Wir stiegen vor dem Kongresszentrum aus und würden auch wieder hier in der Mussstraße um 17:30 Uhr abgeholt werden.

Endlich war ich einmal in unserer Partnerstadt Bamberg zu Besuch. Einen Teil ihrer 1000 jährigen Geschichte teilen wir mit dieser Stadt. Immerhin gehörten wir bis zum Kauf der Stadt Feldkirchen durch Kaiserin Maria Theresia zur Bischofsstadt. Zeuge aus dieser Zeit ist der Bamberger Amthof mitten in unserer schönen Tiebelstadt. Bamberg wird auch das Fränkische Rom genannt, da die Stadt auch auf sieben Hügeln errichtet worden war. Der gesamten Bamberger Altstadt wurde von der UNESCO der Titel „Weltkulturerbe“ verliehen. Nach dieser kurzen Einführung gingen wir über die Regnitz auf die andere Seite der Stadt.

Vorerst wollten wir einige Kulturdenkmäler in der „Bergstadt“ besichtigen. Viele Gebäude auf dem Areal des Klosters St. Michael zu Bamberg waren bereits renoviert worden. Heute sind in den Räumen ein Hotel und eine kleines Spittal untergebracht. Die Malereien auf der Außenfassade zeigen an, was im Inneren geschehen ist.

Teile des Klosters St. Michael

Teile des Klosters St. Michael

Entlang vom Leinritt gelangten wir nach „Klein Venedig“, der einstigen Fischersiedlung auf einer Insel in der Regnitz. Hier waren die Terrassen direkt ins Wasser gebaut worden und jedes Haus hat einen schmucken Garten und Blumenkästen vor den Fenstern. Wir hatten Angst, dass bei Hochwasser alles wegegeschwemmt werden würde. Die Hochwasserregulierung funktioniert jedoch so gut, dass es schon seit Jahren keine Überschwemmung mehr gegeben hat.

Klein Venedig

Klein Venedig

Beim ehemaligen Gefängnis mit doppelvergitterten Fenstern bogen wir wieder in die Bergstadt ab. Der Weg ging stetig bergan. Auf der einen Seite war es gut, dass es nicht zu heiß war, auf der anderen Seite waren die tiefschwarzen Wolken sehr beängstigend. Als wir das Eiserne Tor durchschritten hatten, befanden wir uns auf dem beeindruckenden Domplatz über der Stadt. Der viereckige Kaiserdom ist das Herzstück der Stadt und eines der bedeutendsten Prachtbauten. Zu den wichtigsten Kunstwerken im Dom zählt der lebensgroße „Bamberger Reiter“.

Dom zu Bamberg

Dom zu Bamberg

Als wir aus der Kirche rauskamen, war ein fürchterlicher Sturm zu spüren. Es war kalt geworden und alle mitgenommenen Jacken wurden angezogen. Neben dem Dom liegt die „Alte Hofhaltung“, die früher direkt mit dem Dom verbunden war. Durch die „Schöne Pforte“ gelangt man in den von Fachwerkbauten umgebenen, romantischen Innenhof. Heute beherbergt das Gebäude das Historische Museum der Stadt und der Innenhof wird für Festspiele verwendet. Der Domplatz wird am letzten Ende mit dem vierflügeligen Komplex der neuen Residenz abgeschlossen. Vom Rosengarten aus, der vor dem Schloss angelegt worden war, hat man einen der schönsten Blicke über die Stadt. Die roten Dächer der Häuser bildeten einen starken Kontrast zum Schwarz des Himmels. Viele Kirchtürme überragten die Stadt.

Blick auf Bamberg

Blick auf Bamberg

Über steile Treppen gelangten wir wieder in die Altstadt. Hier kamen wir am Wirtshaus zum „Schlenkerla“ vorbei. Bekannt geworden ist die Brauerei mit ihrem Rauchbier, das durch Zufall entstand. Nach einem Brand in der Brauerei wollte man das Bier, das in Buchenholzfässern gelagert hatte, entsorgen. Einer der Arbeiter aber dachte, dass es schade um den guten Tropfen sei und versuchte das Bier. Es hatte einen leicht rauchigen Geschmack und war ganz dunkel. Es schmeckte hervorragend. So fing man an das Bier nach dieser Methode herzustellen und es ist bis heute ein Verkaufsschlager. Einige unserer Passagiere beendeten hier den Stadtrundgang und genehmigten sich im berühmten Schlenkerla einige „Rauchige“.

Wir wollten zumindest noch das Alte Rathaus sehen, bevor das Wetter noch unfreundlicher wurde. Der Bischof von Bamberg wollte seinen Bürgern keinen Grund für die Errichtung eines Rathauses geben. Also wurden Pfähle in die Regnitz gerammt, um Mitten im Fluss eine künstliche Insel entstehen zu lassen und auf dieser wurde das Rathaus erbaut. Neben der wundervollen Architektur sind die Fresken besonders sehenswert. Sie sind so dreidimensional, dass man glauben könnte, dass die Engel von den Wänden heruntersteigen könnten.

Altes Rathaus, Bamberg

Altes Rathaus, Bamberg

Damit war der Stadtrundgang beendet. Wir hatten noch etwa 45 Minuten Zeit, um in die Mussstraße zurückzugehen. Da es kalt war, beschlossen wir, einen Kaffee zu trinken, um etwas aufzuwärmen. Wir fanden eine kleine Bäckerei. Dort bestellten wir einen Kaffee und aßen ein „Bamberger Hörnla“ dazu. In der Altstadt gibt es viele schöne, kleine Läden, in die es sich lohnte, seine Nase reinzustecken. Ich musste schließlich noch einen Kühlschrankmagnet als Erinnerung an unsere Partnerstadt besorgen. Die Querstraße nach der Bäckerei führte direkt zum Ufer der Regnitz. Noch einmal warfen wir einen Blick auf das pittoreske Fischerviertel. Über die Brücke gelangten wir zur Kongresshalle. Auf einigen Bänken saßen schon Passagiere, aber nicht unseres Schiffes, sondern vom Nachbarschiff, das uns schon seit Amsterdam immer wieder verfolgte und begleitete. Der englische Akzent der Dame, die neben mir saß, war besonders auffallend. Daher fragte ich sie auch, woher sie käme. Sie war aus Neuseeland und tourte zwei Monate lang Europa. Noch bei einigen unserer Stadtrundgänge würden wir ihr begegnen.

Als unsere fünf Buse kamen, stiegen alle schnell ein und schon ging es wieder zum Schiff zurück. Als wir das Schiff bestiegen, fiel sofort auf, dass sich etwas verändert hatte. Die Glastüren des Speisesaales waren verhängt. Piraten hatten das Schiff geentert und wir mussten am Abend mithelfen, es zu verteidigen. Wir wurden ersucht, uns zum Abendessen als Piraten zu verkleiden.

Auch die Panorama Bar war von den Piraten übernommen worden. Gut, dass ich mich auch schon verkleidet hatte. So erhielt ich etwas zu trinken. Viele der Passagiere kamen verkleidet, denn ab 18:30 Uhr wurde ein Piratencocktail in der Bar ausgeschenkt, der rot wie Blut aussah.

Gefangennahme durch Oberpirat Paul

Gefangennahme durch Oberpirat Paul

Um 19:30 Uhr wurden wir zu einem piratösem Abendbuffet mit Spanferkel geladen. Beim Betreten des Speisesaals wurde kontrolliert, auf wessen Seite man stand. Nichtpiraten wurden mit dem Messer bedroht. Wo die Tische sonst so geschmackvoll gedeckt waren, lag heute Besteck im wirren Durcheinander auf dem Tisch. Schwarze Servietten zierten das Tischtuch mit großen Löchern. Trotz feindlicher Übernahme der Kombüse mundete das Essen wie immer hervorragend.

Piratenessen

Piratenessen

Da um 21:00 Uhr in der Panorama Bar eine Tombola stattfand, kauften wir noch schnell an der Rezeption einige Lose. Auch meine Nummer wurde aufgerufen. Als Gewinn wurde ein dreiteiliges Kofferset aus dem Ostblock angekündigt. Ich erhielt drei Plastiksäcke in verschiedenen Größen. Es gab viele dieser Spaßpreise aber natürlich auch schöne Preise wie T-Shirts oder Kappen mit der Aufschrift MS Nestroy. Wie immer genossen wir noch etwas die Musik in der Bar. Besonders ausgelassen spielte Paul heute zum Tanz auf. Kreuzfahrtleiter Meyle war auch gut drauf und begleitete Paul auf seinem Saxophon. Um 22:30 Uhr wurden noch „Gute Nacht Häppchen“ serviert.

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Tag 7

Würzburg, die Stadt der guten Düfte

sunny 18 °C

Sonnenschein und blauer Himmel empfingen uns in Würzburg. Ich war schon so neugierig auf die Stadt. Mutti und ich waren 1991 bereits einmal dagewesen und wir hatten die Stadt als Stadt, die am besten duftete in Erinnerung. Wir werden sehen, wie es nach 25 Jahren riecht. Etwa zehn Kilometer außerhalb der Stadt waren die neuen Schiffsanleger gebaut worden und so wurden wir von Bussen abgeholt und in die Stadt der „3 K“ – Küche, Kunst und Kultur – gebracht. Für Passagiere, die die Ausflüge nicht mitgebucht hatten, wurde es immer schwieriger auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Taxis fuhren vor, um diese in die Stadt zu bringen.

Unsere Stadtführerin erzählte uns schon während der Fahrt in die Stadt einiges über die Region. Wir befanden uns in einem Weingebiet der besonderen Güte. Der Würzburger Stein erstreckt sich im Südhang muschelförmig im Norden der Stadt und ist die größte zusammenhängende Einzellage Deutschlands. Hangneigung, Hangrichtung, Geländeform und Flussnähe bieten optimale Bedingungen für den trockenen Frankenwein, der als beste Medizin gilt. Er wird bevorzugt im Bocksbeutel abgefüllt. Ich hatte im Internet nach Literatur über den besten Wein gesucht und dabei diesen Vierzeiler gefunden:

Zu Klingenberg am Main,
zu Bacharach am Rhein,
zu Würzburg auf dem Stein,
da wächst der beste Wein.

Würzburger Stein

Würzburger Stein

All diese Weingegenden hatten wir auf unserer Schiffsreise bereits gesehen und ich kann nicht sagen, welches dieser Weinbaugebiete mir am besten gefallen hatte, geschweige denn, welcher Wein am besten zu trinken war. Wir stiegen am Ufer des Mains aus und gegenüber sah man schon die Festung Marienberg, auf deren Abhänge der Stadtwein wächst. Den Kern der Burganlage bildet die Marienkirche. Die mittelalterliche Hauptburg wurde 1600 zuerst zu einem Renaissanceschloss umgebaut, dann aber wurde die Gesamtanlage zu einer Barockfestung ausgebaut.

Festung Marienberg mit der Würzburger Steinbrücke

Festung Marienberg mit der Würzburger Steinbrücke

Hinter der Festung Marienberg sah man auf dem Nikolausberg die Türme des „Käppele“, einer Wallfahrtskirche, die über Würzburg wacht. Wir gingen entlang der Promenade zur alten Steinbrücke. An dieser Stelle soll bereits 1120 die erste Steinbrücke Deutschlands errichtet worden sein. Seit 1730 zieren 4,5 m hohe barocke Heiligenfiguren die Brücke. Von hier aus war der Blick auf die Weingärten unterhalb der Festung besonders schön. Würzburg hat etwa 130.000 Einwohner – davon sind alleine ungefähr 30.000 Studenten.

Unser erster Halt fand beim Rathaus statt. Im Grafeneckart statteten wir dem Gedenkraum für die Opfer des Luftangriffs am 16. März 1945 einen Besuch ab. Dort befindet sich auch ein Modell des Gesamtgebäudes und uns wurde berichtet, dass bei diesem schwersten Angriff 5.000 Menschen zum Opfer fielen und 90 % der Altstadt zerstört wurden. Eine Besonderheit des daneben liegenden Ratskellers ist die integrierte Ratskapelle. Die Kapelle, die unter Denkmalschutz steht, durfte nicht abgerissen werden. So wurde das altehrwürdige Gasthaus rundherum gebaut. Wo früher Messwein getrunken wurde, wird heute Frankenwein getrunken.

Vor der Marienkapelle am Unteren Marktplatz blieben wir längere Zeit stehen. Ursprünglich wurde an dieser Stelle von den Bürgern der Stadt eine Kapelle errichtet. So blieb der Bau bis heute ohne Pfarrrechte und trägt deshalb auch nur die Bezeichnung „Kapelle“. Die „Kramläden“, die rund um die Kirche herumgebaut worden sind, dienen der Erhaltung der Kirche. An diesen Ständen wurden vor 25 Jahren hauptsächlich Süßigkeiten und Waffeln verkauft. Deshalb lag auch so ein guter Duft in der Luft. Heute werden hier hauptsächlich Souvenirs und Blumen verkauft. Besonders schön ist das Eingangsportal, das mit Figuren von Adam und Eva geschmückt ist. Der Flügelaltar wurde gerade restauriert. Es war interessant, dem Künstler dabei zuzusehen, doch lange hat man bei den Stadtrundgängen für so etwas nicht Zeit.

Marienkapelle am Unteren Marktplatz in Würzburg

Marienkapelle am Unteren Marktplatz in Würzburg

Am Unteren Marktplatz war am Vortag auch ein Maibaum aufgestellt worden. Auf dem Oberen Marktplatz konnten wir die Fassade des „Falkenhauses“ bewundern. Die Fassade mit den originell geschweiften Giebeln gehört zu den schönsten Rokokofassaden in ganz Süddeutschland. Im einstigen Wohnsitz des Dompfarrers ist heute die Tourist Information untergebracht.

Falkenhaus am Oberen Marktplatz in Würzburg

Falkenhaus am Oberen Marktplatz in Würzburg

Im Lusamgärtchen auf der Nordseite der Neumünsterkirche wurde einst der Minnesänger Walther von der Vogelweide begraben. Wo einst das Grab war, erinnert heute ein Gedenkstein in Form einer stilisierten Tumba an den Dichter. An der Oberseite sind in jedem Eck Vertiefungen eingehauen, die mit Körner und Wasser gefüllt werden. Die Legende besagt, dass Walther von der Vogelweide verfügt haben soll, dass an seinem Grab täglich die Vögel zu füttern sind. Heute liegen oft Blumen auf dem Grabmal, die Menschen mit Liebeskummer hier niederlegen.

Grabmal für Walther von der Vogelweide

Grabmal für Walther von der Vogelweide

Neben dem imposanten Gebäude des Neumünsters liegt der St. Kilians Dom zu Würzburg. Nach seiner kriegsbedingten Zerstörung im Jahre 1945 wurde der Dom wieder aufgebaut und 1967 wieder eröffnet. Der in Weiß und Gold gehaltene, moderne Altarraum hat mich besonders beeindruckt.

Letzter Halt und einer der Höhepunkte der Stadtbesichtigung war der Besuch der Würzburger Residenz, die nach Plänen von Balthasar Neumann errichtet worden war. Die UNESCO hat das Hauptgebäude einschließlich aller Nebengebäude und dem davor liegenden Residenzplatz im Jahre 1981 zum Weltkulturerbe erhoben. Der barocke Schlossbau diente als Sitz der Würzburger Fürstbischöfe. Heute beherbergt das Haus ein Museum und Teile der Universität. Da wir nicht viel Zeit hatten, begleitete uns die Stadtführerin in die Hofkirche, die erst kürzlich renoviert worden war.

Würzburger Residenz

Würzburger Residenz

Unsere restliche Freizeit verbrachten wir aber im in voller Blüte stehenden Park. Die Bepflanzung der Blumenbeete erfolgt alle zwei Monate neu, damit garantiert ist, dass immer alles in voller Blüte steht. Japanische Kirchbäume und Magnolienbäume waren im Abblühen, die ersten Rosen hingegen verbreiteten einen süßen Duft. Wie in anderen bedeutenden Gärten der Welt, waren auch hier die Beete mit Buchs eingefasst, der besonders formenreich geschnitten war. Unten den großen Pyramiden aus Eiben saßen geschützt Statuen. Wir nahmen auf einer Parkbank platz, auf der bereits ein älterer Herr saß. Er erzählte uns, dass er heute einen Ausflug mit dem Zug hierher gemacht hätte, um die Blumenpracht zu bewundern. Mit über 90 Jahren hat man ja sonst nichts zu tun!

Die Busse warteten am Residenzplatz auf uns und brachten uns wieder zum Schiff. Denn um 12:30 Uhr wurde das Mittagessen serviert. Ich nahm nur vom kleinen Buffet in der Panorama Bar, denn ich war schon gespannt darauf, wie das Schiff seinen Weg fortsetzten würde. Zu meinem großen Erstaunen fuhren wir den Weg zurück, den auch der Bus genommen hatte. Auf einmal tauchte vor uns die alte Steinbrücke auf. Heute Morgen hatte ich noch behauptet, dass kein Schiff hier würde durchfahren können. Da hatte ich mich aber getäuscht! Mitten unter der Brücke befand sich eine Schleuse mit Blick auf den Dom links und Aussicht auf die Festung Marienberg rechts. Es war schön, nochmals durch die Stadt zu fahren.

Würzburger Dom und das Neumünster

Würzburger Dom und das Neumünster

Als wir die Schleuse und noch einige tiefe Brücken passiert hatten, begannen die Weinberge uns wieder zu begleiten. Zwischen Würzburg und Eibelstadt waren sie besonders gepflegt. Mauern aus behauenen Steinquadern sicherten die Weinberge ab. Randersacker gilt als Wiege des Muschelkalkabbaus. In den Weinbergen wurde überall gearbeitet. Viele neue wurden angelegt. Bagger gruben die Wurzeln der alten Rebstöcke aus. Neue Stangen aus Aluminium wurden gesetzt und neue Reben gepflanzt. Auf den Grünstreifen zwischen den Reihen wurde Stroh verteilt, damit das Unkraut nicht so schnell wächst und überhandnimmt.

Arbeit in den Weingärten entlang des Mains

Arbeit in den Weingärten entlang des Mains

Zwischen den Weingärten liegen immer wieder Dörfer und kleine Städte. Eibelstadt wird überragt vom Kirchturm der katholischen Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Außergewöhnlich am Turm ist der außenliegende Treppenaufgang zum Turm.

Eibelstadt mit Kirche St. Nikolaus

Eibelstadt mit Kirche St. Nikolaus

Noch kurioser war der Giebel eines Hauses, der mitten in der Stadt Sommerhausen lag. Der Treppengiebel gehört zum Weingut Schloss Sommerhausen. Witzig ist, wie sich der Name des Ortes entwickelt hat. Ursprünglich hieß der Ort links und rechts des Mains Ahausen, was eigentliche eine Kurzform von Aquahausen war. Den Bewohnern gefiel der Name nicht. So überlegten sie lange und beschlossen, die Orte nach den Heiligen der jeweiligen Kirchen zu nennen – Bartholomäus-Ahausen und Nikolaus-Ahausen. Trotz Änderung konnte sich wohl niemand mit den neuen Bezeichnungen anfreunden und man ging wieder auf die Suche. Das Patronatsfest des Hl. Batholomäus wird im Sommer gefeiert und das des Hl. Nikolaus im Winter. Seit langer Zeit heißen die Orte nun Sommerhausen und Winterhausen.

Weingut Schloss Sommerhausen

Weingut Schloss Sommerhausen

Aber nicht nur Kirchen, Schlösser und Dörfer säumten das Ufer. Eine Menge Windräder drehten sich entlang der Kämme der Hügel. Das Tal war auch etwas breiter geworden und die Hänge mit den Weingärten etwas in den Hintergrund gewichen. Auf den Ebenen am Ufer gab es wieder Obstplantagen. Hier wuchsen Aprikosen- und Zwetschgenbäume. Wieso ich das so genau weiß? Auf einem Schild stand der Hinweis, dass hier Zwetschgen für die Rösner Backstube wuchsen. Gerade wurde bei uns an Bord die Kaffeestunde mit Begleitmusik vom Paul eröffnet. Der Kuchen stammte aber sicher aus der bordeigenen Backstube.

Es war nicht nur deshalb schön, im Frühling diese Reise zu machen, weil Bäume und Pflanzen in voller Blüte standen, sondern vor allem auch deshalb, weil viele Tiere Junge hatten. Immer wieder sah man Entenfamilien, die bei ihrem Ausflug unser Schiff begleiteten oder knapp vor dem Schiff noch den Fluss querten. Auch die Schwäne und die Canada Goose hatten Nachwuchs.

Immer wieder mussten wir unter mehr oder weniger niedere Brücken hindurch. Die alte historische Brücke der Kleinstadt Ochsenfurt wurde im Krieg stört. Nicht aber die historische Altstadt mit der mittelalterlichen Befestigungsanlage. Viele Türme der verschiedensten Bauweisen überragten das Stadtbild.

Ochsenfurt

Ochsenfurt

In Ochsenfurt musste wir auch wieder durchschleusen, wie so oft schon an diesem Tag – kurz darauf in Frickenhausen wieder. Wegen der vielen Staustufen glitten wir gemütlich dahin und konnten so auch einen Blick in diese vielen, kleinen Städte entlang des Ufers machen. Frickenhausen ist noch immer von der historischen Stadtmauer umgeben und zählt zu den ältesten mittelalterlichen Weinorten in Mainfranken. Gut, dass wir nicht überall anlegten, denn die Versuchung war schon groß, in die Keller zu gehen, um dort den jeweiligen Wein zu verkosten. Aber auch der Hugo, den ich während der Fahrt immer wieder genoss, mundete.

Weinkeller in Frickenhausen

Weinkeller in Frickenhausen

Die nächste Schleuse und der nächste Ort waren Marktbreit am Main. Hier befand sich bereits vor über 2.000 Jahren ein 38 Hektar großes Lager für etwa 12.000 römische Soldaten. Leider wurde auf diesem Platz die heutige Stadt erbaut. Aus dem alten Häuserbestand der Stadt ragte die Giebelfront des Seinsheimschen Schlosses heraus. Der Volutengiebel wird von Kugeln bekrönt und der First von zwei fünf Meter hohen Pyramiden überragt. Der Turm der evangelischen Kirche St. Nikolai wirkt gedrungen. Er wird gekrönt von einer achteckigen Türmerwohnung und einer Haube mit Laterne. Eigentlich ist die Anordnung der Fenster und der Turmuhr so, dass es aussieht, als ob einem die Kirche anlächelt und zum hinein gehen einlädt.

Schleuse und Stadt Marktbreit

Schleuse und Stadt Marktbreit

Es war schon bald Zeit zum Abendessen. So ging ich während wir in der Schleuse waren in die Kabine, um mich umzuziehen. Die nächste Schleuse würde in Kitzingen sein. Dort wollte ich unbedingt einen Blick auf die Stadt werfen, in der die Kinder meiner Kusine geboren wurden. Von 1945 bis 2007 lebten in dem beschaulichen Städtchen bis zu 15.000 US Soldaten mit ihren Familien in den Larson Kasernen. Während des Abendessens passierten wir die langgezogene Stadt am Main, den hier innerhalb des Stadtgebietes mindestens fünf Brücken überquerten.

Mittlerweile waren die Weinberge großen landwirtschaftlichen Flächen gewichen. Die Felder waren umgebaut und schon teilweise vom zarten Grün überzogen. Bald würde die Nacht hereinbrechen und wir konnten dann in der Finsternis nur wegen der Lichter erahnen, dass wir uns wieder einer Stadt näherten – welcher, war schwer zu sagen, aber wir wussten, dass wir Richtung unserer Partnerstadt Bamberg unterwegs waren.

Posted by fegoesrhein 16:21 Archived in Germany

Tag 6

Fachwerkstadt Miltenberg

sunny 20 °C

Es ist ein sehr sonniger erster Mai, den wir am begradigten Main verbringen. Am Tagesprogramm steht, dass wir den Vormittag damit verbringen würden, von Schleuse zu Schleuse zu fahren. Deshalb war auch das Sonnendeck abgebaut. Wir nahmen wieder unseren Stammplatz in der Panorama Bar ein und genossen die vorüberziehende Landschaft. In den kleinen Dörfern waren Maibäume aufgestellt worden. Wie riesige Maibäume sahen die hohen Schlote der Industrieanlagen aus, die immer wieder das Ufer säumten. An den einsamen grünen Ufern sah man Fischer zelten und ihrem Hobby nachgehen. Immer ist es hier sicher nicht so idyllisch, denn die kleinen Städtchen, wie Wörth am Main, haben ihre Alten Stadtmauern zum modernen Hochwasserschutz umgebaut. Wo einst Tore und Schießscharten waren, sieht man heute Stahltore, die bei Bedarf geschlossen werden können.

Hochwasserschutz in Wörth am Main

Hochwasserschutz in Wörth am Main

Bei Klingenberg begannen die Weinberge wieder. Auf schönen alten Terrassen sah man die gepflegten Reben. Da am Ufer noch etwas Platz blieb, waren hier wie oftmals an den verschiedenen Flüssen, die wir in Deutschland befahren hatten, Campingplätze angelegt worden. Ich hatte noch nie so große Plätze gesehen.

Campingplatz Klingenberg

Campingplatz Klingenberg

Da uns nur noch zwei Schleusen von unserem ersten Ankerplatz des Tages trennten, wurden wir um 11:30 Uhr zu einem frühen Mittagessen gebeten. Gerade als wir die Gabel weggelegt hatten, erreichte unser Schiff die Perle des Mains, Miltenberg. Erster Teil des Ausflugs war ein Spaziergang durch Miltenberg. Danach würden wir mit dem Bus nach Wertheim fahren, wo uns das Schiff wieder erwarten würde. Da wir mitten in der Stadt ankerten, konnte unsere Stadttour am Kai beginnen. Sofort fielen uns die massiven Brückentore auf, die die historische Mainbrücke auf beiden Seiten sichern. Da der Odenwald gleich hinter der Altstadt beginnt, hatte die Stadt keine Möglichkeit mehr, sich auf der linken Mainseite auszubreiten. So wurden auf der rechten Seite in der Nachbargemeinde Landkäufe getätigt, damit sich die neue Stadt am anderen Ufer ausbreiten konnte. Die Stadt wird überragt von der Pfarrkirche St. Jakobus und der Mildenburg, der die Burg heute auch gehört.

Mildenburg in Miltenberg

Mildenburg in Miltenberg

Am Engelplatz, wo wir uns nach dem Stadtrundgang um 15:20 Uhr wieder treffen würden, war der Maibaum schon aufgestellt worden. Hier wird er mit den Zunftzeichen der in der Stadt lebenden Handwerker geschmückt und ein Jahr lang stehengelassen.

Maibaum am Engelplatz in Miltenberg

Maibaum am Engelplatz in Miltenberg

Am Engelplatz verteilten sich unsere fünf Gruppen und gefühlte weitere 100 Gruppen von anderen Kreuzfahrtschiffen und schwärmten in alle Richtungen aus, um die Stadt zu erobern. Vorerst erhielten wir Informationen über die Stadt, die reich wurde, weil sie an der Handelsstraße von Frankfurt nach Nürnberg gelegen ist. Handel wurde mit Salz und Getreide betrieben. In Ufernähe gibt es die großen Mainsandsteinbrüche. Fast jedes zweite Haus ist aus diesem hellleuchtenden Stein gebaut. Seit die neuen Hochwasserschutzmaßnahmen gebaut wurden, ist Miltenberg nicht mehr überschwemmt worden.

Aber genau aus diesem Grund sind die Erdgeschoße der Häuser aus Sandstein gebaut und erst die Obergeschoße im feinen Fachwerkstil aus Holz errichtet worden. Eines der schönsten Exemplare dieser Kunst ist das Haus „Zum Riesen“. Leider wurde die Vorderseite gerade renoviert. Aber wir konnten auch von der Seite sehen, welch Prachtbau einer der ältesten Gasthäuser Deutschlands ist (1411). Der Brauerstern, der vom Wirtshausschild hängt, weist darauf hin, dass das Gasthaus auch Braurechte besitzt. Viele Berühmtheiten haben während ihres Aufenthaltes hier sicher auch vom Bier gekostet, wie Kaiser Barbarossa, Kaiserin Maria Theresia, Richard Strauss, Heinz Rühmann oder Elvis Presley.

Haus Zum Riesen in Miltenberg

Haus Zum Riesen in Miltenberg

Fast alle Gassen der Stadt führen aufwärts zur Mildenburg. Häuser mit wunderschönem Fachwerk reihen sich aneinander. An manche der Bauten hat natürlich schon der Zahn der Zeit genagt. So mancher Balken ist trotz Renovierung schief. Alle Häuser stehen unter Denkmalschutz.

Gasse mit Fachwerkhäusern in Miltenberg

Gasse mit Fachwerkhäusern in Miltenberg

Das Schnatterloch befindet sich am Marktplatz. Hier am Brunnen wurde sicher immer „geschnattert“ – mal von den Gänsen, mal von menschlichen Lebewesen. 10.000 Einwohner leben in dieser Stadt im Dreiländereck Hessen-Bayern-Baden-Würthemberg. In unserer Freizeit entdeckten wir noch viele schöne Ecken. Der 600 Kilometer lange Mainradweg führt hier ebenso durch wie der 180 Kilometer lange Jakobsweg Main-Taubertal. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass das wunderschöne Eingangsportal der Kirche zum Heiligen Jakobus mit Jakobsmuscheln verziert war.

Marktplatz Miltenberg

Marktplatz Miltenberg

Am Engelplatz trafen wir uns wieder mit unserer Reiseleiterin, die uns dann zu den bereitstehenden Bussen begleitete. Etwa 30 Minuten würde die Fahrt nach Wertheim dauern. Unser Schiff war bereits vorausgefahren. Weinberge und Burgen waren unsere Begleiter. Ebenso sah man an den Ausläufern des Spesarts, der die grüne Lunge Deutschlands ist, immer wieder Steinbrüche, wo der Mainsandstein abgebaut wurde, der als Baumaterial für alle größeren Gebäude aus Stein diente. Die meisten Laubbäume sind 400 – 500 Jahre alte Eichen. Hier wächst aber nicht nur Wein, sondern auch Obstbäume. Bekannt ist die Gegend für ihren Apfelwein.

Wertheim liegt an der Mündung der Tauber in den Main und war deshalb immer wieder von Hochwasser bedroht. Der 36,5 m hohe Spitze Turm diente als Gefängnis für Trunkenbolde und zänkische Weiber. Der ursprüngliche Eingang, genannt das „Angstloch“ liegt in 10 Metern Höhe. Hier würden wir uns nach dem Stadtrundgang wieder treffen. Auch hier waren die meisten alten Häuser im Fachwerkstil errichtet worden. Zusätzlich gab es noch viele Erker. Von diesen vorgelagerten Bauten hatte man die Möglichkeit zu sehen, was auf den nahegelegenen Plätzen los war. Die Fachwerkhäuser auf dem langgezogenen historischen Marktplatz stammen teilweise aus dem 16. Jahrhundert. Hier befindet sich auch eines der schmälsten Häuser der Gegend. Die Steuern wurden auch hier nach dem Grundriss des Hauses entrichtet. Deshalb nahmen sie nach obenhin an Ausdehnung zu.

Haus des Ritters von Zobel am Marktplatz in Wertheim

Haus des Ritters von Zobel am Marktplatz in Wertheim

An den Häusern am Tauberufer waren die Hochwassermarken angebracht und wieder konnten wir nur staunen, dass das Wasser auch hier teilweise über die Fenster des ersten Stocks gereicht hatte. Am anderen Ufer wurden die alten Häuser der Fischer schön renoviert und hier ist trotz Wassernähe eine beliebte Wohngegend geworden. Im ehemaligen Kallenbach’schen Haus aus dem Jahre 1577 ist das Glasmuseum untergebracht. Die Stadt mit 6.000 Einwohnern hatte ihren Reichtum einst mit den Glasbläsern erreicht, die sich hier angesiedelt hatten. Noch heute lebt die Stadt von der Glasindustrie. Es werden vor allem Fernsehbildschirme und Laborglas hergestellt.

Die Wertheimer Burg, die die Stadt überragt, ist von allen Seiten sichtbar. Sie war einst der Sitz der Grafen von Wertheim und ist heute im Besitz der Stadt. Auf den Weg zurück zur Schiffsanlegestelle am Main gingen wir über den Hauptplatz, wo der Engelsbrunnen steht. Durch eine Tiefgarage erreichten wir den Anleger, wo die MS Nestroy gerade angelegt hatte. Beim Verlassen der Stadt hatten wir noch einen schönen Blick auf die Burg.

Burg Wertheim

Burg Wertheim

Um 19:00 Uhr wurde das Abendessen serviert. Um 21:00 Uhr fand die Show „Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht“ mit Kreuzfahrtdirektor Tim Meyle in der Panorama Bar statt. Wie immer wurde der Abend mit den Klängen vom Bordmusiker Paul beendet.

Posted by fegoesrhein 16:17 Archived in Germany

Tag 5

Treffen mit Freunden in Rüdesheim

sunny 20 °C

Heute hatten wir uns vorgenommen früher aufzustehen, denn vor uns lag eine der schönsten Streckenabschnitte des Rheins. Als ich munter wurde und aus dem Fenster schaute, sah ich schon das erste Schloss – Schloss Stolzenfels. Mit einem ruhigen Frühstück war wohl nichts, denn es gab so viel zu sehen. Ziel war es bald Kurs auf die Panorama Bar zu nehmen, um von dort aus den besten Blick auf das Weltkulturerbe zu haben. Gerade als wir unsere Position einnahmen, erreichten wir Rhens, ein kleines Städtchen, dessen Fachwerkhäuser von einer Stadtmauer umgeben waren, die wohl auch seit jeher als Hochwasserschutz diente.

Fast auf jedem Hügel thronte eine Burg und fast jeder Sonnenhang, war er auch noch so steil, war mit Reben bewachsen. Da wir leider keine Ahnung hatten, wie die Burgen hießen und welche Geschichte sie hatten, wurde in Braubach kurz angelegt. Hier stieg Otto Wessel ein, ein richtiges Unikum, der den Rhein und seine Ufer wie seine Westentaschen kennt. Da viele Passagiere noch beim Frühstück saßen und er niemanden mit seinen Ausführungen stören wollte, gesellte er sich zu uns in die Panorama Bar. Wir waren natürlich dankbare Zuhörer.

Links und rechts des Rheins verlaufen die Geleise der Eisenbahn. Durch die kleinen Winzerorte donnern tag und nacht die Güter- und Personenzüge. Viele der Anrainer wehren sich immer wieder gegen diesen Lärm, von dem sie gesundheitliche Schäden davontragen würden. Es gibt aber keine Alternative als die Schienen zu tauschen und jene zu verlegen, die ein fast geräuschloses Fahren erlauben. Aber so viel Geld hat die DB zurzeit nicht. Gleich neben den Schienen verläuft die Straße und wenn genügend Platz ist, ein gutausgebauter Radweg. Danach folgen schon die steilen Hänge, die zum Teil 600 Jahre alte Weinberge beherbergen. Auf diesen Terrassen ist seit damals fast nichts verändert worden. Teilweise verläuft eine Aluschiene durch den Weingarten. So wurde mit kleinen Wägelchen eine Möglichkeit geschaffen, Material in den Weinberg zu bringen und die Ernte wegzubringen. Außerdem wurden die Holzpfosten gegen Aluminiumstangen getauscht, da diese länger haltbar sind.

Weingarten bei Boppard

Weingarten bei Boppard

Als die Hügel etwas vom Ufer zurückgewichen waren, blieb Platz für das kleine Städtchen Boppard. Hier war ich schon mal mit Rolf durch den Ort spaziert und dann mit dem Zug nach Mainz zurückgefahren. Wie in fast allen Orten am Rhein findet man auch hier schöne Fachwerkhäuser. Mit Kamp-Bornhofen folgte der nächste Ort. Dieser wurde überragt von der Doppelburg Sterrenberg/Liebenstein. Auch hier wusste Otto eine Geschichte zu erzählen: Die Burganlage wird auch die „Feindlichen Brüder“ genannt. Warum wohl? Beide Brüder hatten sich in dieselbe Frau verliebt. Mitten im Ort am Rheinufer liegt das Kloster Bornhofen mit der Marien-Wallfahrtskirche. Hier finden seit dem Mittelalter Schiffsprozessionen statt.

Zwischen den kleinen Kurort Bad Salzig und Hirzenach gibt es keine Weingärten mehr. Hier gab es im 19. Jahrhundert eine Reblausplage. Stattdessen wurde hier auf den Obstanbau umgestiegen. Deshalb sah man besonders viele Kirschbäume, die in voller Blütenpracht standen. In der Mitte des langgezogenen Ortes Hirzenach steht die Pfarrkirche St. Bartolomäus. Auch hier wusste Otto von etwas Besonderem zu berichten: Die Klosterschenke wurde so an die Kirche angebaut, dass man von der Gaststube aus in die Sakristei und den Kirchenraum gelangen konnte. So wurde es einem leicht gemacht in die Kirche zu gehen bzw. umgekehrt.

Klosterschenke in Hirzenach

Klosterschenke in Hirzenach

Kurz nach dem kleinen Doppelort Wellmich-Ehrenthal konnte man einen ersten Blick auf die hoch über dem Rhein stehende Burg Rheinfels erhaschen. Auf dem großen Gelände der Burg hatte ich schon mal das jährlich stattfindende Weinfest besucht. Heute ist in der Anlage ein Hotel mit Restaurant untergebracht, welches sich auch schon bei der VOX-Sendung „Das himmlische Hotel“ präsentieren durfte. Zu dieser Anlage gehört ein Bergfried mit 3,5 m starken Mauern. Da die Schäden an rechteckigen Türmen viel größer waren, wenn sie von Kanonenkugeln getroffen wurden, wurden sie ummantelt und rund gemacht. Deshalb sieht man auf den Burgen links und rechts vom Rhein fast nur mehr runde Türme. Im Ort St. Goar ist die dreischiffige romanische Krypta der evangelischen Stiftskirche aus dem 11. Jahrhundert besonders sehenswert.

Burg Rheinfels

Burg Rheinfels

Durch die Loreley-Fähre ist St. Goar mit der am gegenüberliegenden Rheinufer liegenden Schwesternstadt St. Goarshausen verbunden. Die Stadt wird überragt von der Burg Katz. Unweit davon liegt die Burg Maus.

St. Goarshausen mit der Burg Katz

St. Goarshausen mit der Burg Katz

Ab hier rückten die Steilhänge des Hunsrück und des Taunus bedrohlich an das Ufer des Rheins. Die engste Stelle des Flusses wird von einem 132 m hohen Schieferfelsen überragt, auf dem ein Besucherzentrum mit besonders schöner Aussicht auf den Loreleyfelsen errichtet worden war. Das vorerst 300 Meter breite Flussbett wird durch die Felsen auf 145 Meter verengt. Stromschnellen erschwerten es zusätzlich die Enge zu passieren. Diese wurden teilweise durch Sprengungen entschärft. Der Sage nach saß auf einem dieser Felsen im Wasser ein Mädchen, dass sich seine schönen, langen, blonden Haare kämmte und dabei wunderschöne Lieder sang. Ihre zarte Stimme verwirrte die Schiffer so sehr, dass sie darauf vergaßen, auf die Stromschnellen zu achten und mit ihren Schiffen dann an den Felsen zerschellten.

Der Loreley Felsen

Der Loreley Felsen

Heinrich Heines berühmtestes Gedicht „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“ stammt aus dem Jahre 1823. Friedrich Silcher vertonte es 1837 und daraus entstand das bekannte Loreley Lied. Lila, die Assistentin des Kreuzfahrtdirektors hatte den Liedtext verteilt. Der Bordmusiker Paul hatte das Lied angestimmt und forderte alle auf, mitzusingen. Hoffentlich erschreckt sich der Kapitän nicht und fährt mit uns gegen die Felswand.

Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Er greift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Es schaut nur hinauf in die Höh'.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Auf der folgenden kurvenreichen und schmalen Strecke ist der Rhein durch Lichtsignalstellen geregelt. Wiedermal war es Herr Wessel, der uns über die verschiedenen Lichtsignale aufklärte. Sie funktionierten wie Ampeln im Straßenverkehr. Bis in die 1980er Jahre wurden zwischen St. Goar und Bingen Lotsen eingesetzt.

Bei Oberwesel wurde der Fluss wieder breiter. Bergwärts fahrende Schiffe haben immer Vorrang und können sich aussuchen, ob sie die linke oder rechte Fahrrinne nehmen. Dies wird durch ein blaues Schild, das auf der Brücke montiert ist, signalisiert. Otto kannte auch fast alle Schiffe – egal ob Passagierschiff oder Frachter. Jedes Schiff hat eine Nummer, unter der es registriert ist. Aus den Anfangsziffern dieser Nummer kann man das Herkunftsland des Schiffes ableiten. Außerdem muss an der Seite des Schiffes Länge und Breite deutlich sichtbar verzeichnet sein. Zum Teil konnte er uns genau sagen, was die Schiffe geladen hatten, woher sie kamen und wohin sie wollten. Der Rhein ist die meistbefahrene Wasserstraße der Welt und das merkten wir auch. Auf jeden Fall wurde es nie langweilig.

Oberwesel

Oberwesel

Oberwesel wird die Stadt der Türme genannt. Von weitem sieht man die Türme der Schönburg, der roten Liebfrauenkirche und die vielen Türmchen, die der Stadt umgebenden Stadtmauer. Auf der anderen Rheinseite liegt das romantische Städtchen Kaub mit der größten Weinbaufläche am Mittelrhein. Auf einem Felsenriff mitten im Strom wurde die Burg Pfalzgrafenstein als Mautstelle des Königs errichtet. Die mit 860 Einwohnern kleinste Stadt in Rheinland Pfalz wird von der Burg Gutenfels überragt. Die steilsten Rebhänge unterhalb der Burg werden seit 2008 neu bewirtschaftet.

Burg Pfalzgrafenstein mit der Stadt Kaub

Burg Pfalzgrafenstein mit der Stadt Kaub

Im Bereich des Mittelrheins gibt es so viel zu sehen, dass man zeitenweise nicht weiß, in welche Richtung man den Kopf drehen soll. Aber aus dem Augenwinkel heraus, sah ich auf linksrheinisch so etwas wie die Chinesische Mauer. Die Stadt Bacharach ist tatsächlich bis hoch in die Hügel hinauf zur Burg Stahleck von einer Mauer mit Wehrgängen und Türmen umgeben. Barabach liegt am 67 Kilometer langen Rheinburgenweg, auf dem neben mehr als 40 Burgen und Wehranlagen auch zahlreiche Weinstuben mit regionalen Spezialitäten zu erkunden wären.

Bacharach

Bacharach

Neben der Burg Sooneck liegt ein Steinbruch. Dieser gehört einem holländischen Bauunternehmen. Da es in Holland fast keine Baumaterialien gibt, werden hier Steine für Haus- und Straßenbau gewonnen und über den Rhein in den Norden transportiert. Die kurz darauffolgende Burg Reichenstein über Trechtingshausen ist eine Höhenburg, die zum UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal gehört. Die Ausmaße der nächsten Burg waren bescheidener, doch beeindruckt die Burg Rheinstein mit ihrer Kapelle, weil sie wie auf dem unter ihr liegenden Felsen mit steilen Abhängen uneinnehmbar aussieht.

Burg Rheinstein

Burg Rheinstein

Gegenüber liegt die Rotweingemeinde Assmannshausen, die mit 75 Hektar Rebfläche am Höllenberg über die größte zusammenhängende Spätburgunderfläche Deutschlands verfügt. Mit einer Seilbahn kann man von hier aus auf die Höhen des Niederwaldes fahren und von dort den Blick auf das schöne Rheintal genießen oder weiter zum Niederwalddenkmal wandern, das den Nachbarort Rüdesheim überragt. Auch von dort aus kann man mit einer Seilbahn hochfahren.

Assmannshausner Höllenberg

Assmannshausner Höllenberg

Nach der Rheinbiegung sah man schon die Burg Ehrenfels und gegenüberliegend den Ort Bingen mit dem Mäuseturm. Bekannteste Persönlichkeit der Stadt ist sicherlich die Äbtissin Hildegard von Bingen. Aber nicht nur hier kann man auf den Spuren der Naturheilerin wandern. Das heutige Benediktinerinnenkloster in Eibingen bei Rüdesheim wurde von Hildegard gegründet. Mittag erreichten wir den wohl bekanntesten Weinort am Rhein, Rüdesheim, der von der 12,5 m hohen Göttin Germania am Niederwalddenkmal bewacht wird. Alle 133 Personen, die am Hauptrelief sind, sind in Lebensgröße dargestellt.

Besonders auffällig sind die Türmchen der im Jahre 1892 gegründeten Destilliere Asbach. Aus diesem Weinbrand und viel Sahne wird der berühmte Rüdesheimer Kaffee zubereitet. Auch ich hatte vor, einen zu probieren. Wir würden nämlich heute wieder nicht an der vorgesehenen Tour mit dem Winzerexpress in die Weinberge teilnehmen. Wir würden von zwei Herren am Schiff abgeholt werden. Schon während des Mittagsessens sah ich, wie sich Rolf und Gerd dem Schiff näherten. Als wir fertig waren, tauschten wir unseren Kabinenschlüssel gegen die Landkarten und eilten von Bord. Natürlich war die Freude groß, die Beiden zu sehen.

Sie hatten sich schon eine Besichtigungstour für uns ausgedacht. Es ging stetig bergauf. Schließlich erreichten wir die Wallfahrtskirche St. Hildegard in Eibingen, wo teilweise die Überreste der Heiligen Hildegard von Bingen in einem vergoldeten Kupferreliquienschrein ruhen. Leichter war dann der Abstieg durch die Weinberge.

Wallfahrtskirche St. Hildegard

Wallfahrtskirche St. Hildegard

Rüdesheim hat circa 10.000 Einwohner und 3 Millionen Besucher jährlich. Es war also nicht verwunderlich, dass wir auf Schritt und Tritt einen der 200 Passagiere der MS Nestroy trafen. Nach so viel Bewegung hatten wir uns eine Pause mit Spezialitäten vom Rhein verdient – einen Rüdesheimer Kaffee mit einem Stück Frankfurter Kranz.

Spezialitäten in Rüdesheim

Spezialitäten in Rüdesheim

Und natürlich durfte ein Besuch in einer der berühmtesten Gassen der Welt nicht fehlen. In der 144 m langen Drosselgasse trifft man auf sehr viele gutgelaunte Menschen. Aus den Weinlokalen tönten Musik und Gesang. Hier kann man fast rund um die Uhr tanzen und feiern. Die Zeit verging so schnell. Wir hatten das Ufers des Rheins wieder erreicht und gingen Richtung Schiff. Rolf und Gerd begleiteten uns. Es fiel mir schwer, auf das Schiff zu gehen – manch Abschied tut eben weh. Schnell noch eine Umarmung, ein paar liebevolle Abschiedsworte und schon waren wir wieder in unsere kleine Welt zurückgekehrt. Das Schiff war uns schon zur neuen Heimat geworden.

Die Drosselgasse, Rüdesheim

Die Drosselgasse, Rüdesheim

Die Teilnehmer der Winzertour waren noch nicht zurückgekehrt. So war unser Plätzchen in der Panorama Bar noch frei. Cosima brachte mir mein Stammgetränk und wir sahen zu, wie alle schön langsam zum Schiff zurückkehrten. Beim Auslaufen gegen 17:00 Uhr gab es am Sonnendeck Zwiebelkuchen und Wein aus der Region. Diesen genossen wir als Vorspeise, denn um 19:00 Uhr würde das Abendessen serviert werden.
Um die Zeit bis zum Abendessen ein wenig zu vertreiben, wurde ein 30 min Film über den Main gezeigt, den nächsten Fluss, den wir befahren würden. Wir schauten jedoch, wie üblich, beim Fenster hinaus und genossen die vorbeiziehende Landschaft. Leider hatte uns Herr Wessel in Rüdesheim verlassen. Einziges großes Manko der Reise war wirklich, dass unser Kreuzfahrtleiter keine guten geographischen Kenntnisse der Strecke hatte. Viele interessante Orte kannte er nicht oder sagte etwas dazu, als wir sie schon lange passiert hatten. Aber gerade diesen Teil des Rheins hatte ich mit Rolf schon befahren und bis Mainz würde ich mich noch etwas auskennen.

Der Jesuitengarten, an den wir gerade vorbeifuhren, gilt als eine der wärmsten Lagen des Rheingaus und bringt frühreife Rieslingweine hervor, die lange lagerfähig sind. Weithin sichtbar war das Wahrzeichen von Oestrich-Winkl – ein ehemaliger Weinverladekran. Auch Goethe hat hier einige Zeit gewohnt. Heute ist im Schloss Reichartshausen die EBS Business School untergebracht. Gleich danach folgte das Domänenweingut Schloss Schönborn. Die Familie unseres Erzbischofs Christoph Schönborn hat in Deutschland große Besitzungen.

Die Türme der Stadtpfarrkirche und der Burg Crass prägen das Stadtbild von Eltville. Am Ufer stand ein Schild mit dem Schriftzug Matheus Müller. Zu Hause habe ich diesen Herrn gegooglet und es hat sich herausgestellt, dass er den sehr bekannten Sekt MM auf den Markt bringt. In meinem Büchlein trage ich unterwegs immer Sachen ein, wo ich Nichts darüber weiß, mir aber irgendwie bekannt vorkommen. So habe ich nach der Reise immer eine lange Liste, die ich googlen muss.

Eltville

Eltville

Danach reihten sich nicht mehr Schlösser aneinander, sondern Villen. Wir näherten uns der Kurstadt Wiesbaden. Direkt am Rheinufer liegt das Schloss Biebrich mit dem großen Schlosspark, das heute als repräsentativer Kulisse für Empfänge der Landesregierung dient. Herr Meiley meinte über Lautsprecher, dass wir schon in Mainz seien, aber da musste ich lautstark protestieren. Er gab uns ganz selten Hinweise auf Städte und Landschaft und dann auch noch falsche.

Schloss Biebrich, Wiesbaden

Schloss Biebrich, Wiesbaden

Wiesbaden und Mainz lieben sich ungefähr so wie Klagenfurt und Villach. Deshalb wären die Wiesbadener auch nicht glücklich darüber gewesen, dass ihre schöne Stadt für Mainz gehalten wurde. Aber es dauerte dann wirklich nicht lange bis linksrheinisch die Gutenberg Stadt Mainz mit ihren über 200.000 Einwohnern auftauchte. Hinter der Rheingoldhalle sah man schon die Türme des Mainzer Doms aufragen. Vor uns überquerte die Eisenbahnbrücke, die von Ginsheim-Gustavsburg, wo Rolf früher gewohnt hat, den Rhein überquert. Kurz davor an der Mainspitze würden wir in den Main abbiegen.

Mainzer Dom

Mainzer Dom

Der Main ist mit 527 Kilometern der längste rechte Nebenfluss des Rheins. Der Weiße Main entspringt im Fichtelgebirge und der Rote in den Fränkischen Alb bevor sie sich bei Steinenhausen vereinigen und zum Main werden.

Einfahrt in den Main bei Mainz

Einfahrt in den Main bei Mainz

Wir hatten den Main gerade erreicht, als zum Abendessen geladen wurde. Ab 20:30 Uhr gab es eine virtuelle Führung durch den Maschinenraum des Schiffes. Leider konnte man auf diesem Schiff die Brücke nicht besuchen, ebenso wenig die Küche. All diese Bereiche wurden im Film gezeigt. Auf einmal wurde es auf beiden Ufern hell. Wir hatten den Industriepark Höchst erreicht. Hier gibt es große Pharma- und Chemiefirmen. Leider würden wir Frankfurt erst erreichen, wenn es finster sein würde. Auf den Weg in die Kabine genehmigten wir uns noch einen Mitternachtssnack in der Form von Chickennuggets.

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Tag 4

Moselweine sind besonders süß

sunny 16 °C

Durch einen sanften Ruck wurde ich wachgerüttelt. Es war 4:00 Uhr und wir hatten die Schleuse in Koblenz erreicht. Leider war es draußen noch finster und so konnte ich nichts von der schönen Stadt an der Mündung der Mosel in den Rhein sehen. Daher drehte ich mich um und schlief noch ein paar Stündchen. Heute würde es erst zwischen 07:30 und 09:30 Frühstück geben. So mussten wir nicht extra früh aufstehen. Doch Mutti war schon wach und machte sich fertig. Sie konnte es anscheinend kaum erwarten, von unserem Spähposten aus auf die schöne Landschaft zu blicken. Nach dem Frühstück bezogen wir auch sofort Stellung.

Wir waren gut in der Zeit und hatten schon kurz nach dem Frühstück den relativ großen Winzerort Klotten an der Mosel erreicht. Die Stadt wird von der Burg Coraidelstein und der Pfarrkirche St. Maximin überragt. Kurz vor Klotten liegt die Staustufe Müden. Deshalb ist die Mosel hier etwas breiter und es war leichter für unser 125 m langes Schiff umzudrehen. Die letzten drei Kilometer bis Cochem würden wir im Rückwärtsgang zurücklegen. Jetzt hatten wir genügend Zeit für das Manöver. Sonst hätten wir von Cochem rückwärts herausfahren müssen und dann in Klotten umdrehen. Da würde es allerdings schon finster sein.

Winzerort Klotten

Winzerort Klotten

Die drei Kilometer bis Cochem verbrachte ich am Sonnendeck – was erstaunlicher Weise wieder Mal geöffnet war. Japanische Kirschbäume, die rosa blühten, säumten die Ufer. Es war ein schönes Erlebnis auf die Stadt Cochem zuzufahren. Die Reichsburg mit ihren vielen Türmchen überragt weithin sichtbar die Stadt. Die bunten Häuser der Altstadt säumen die Ufer der Mosel wie bunte Bänder.

Cochem mit der Reichsburg

Cochem mit der Reichsburg

Um 09:30 Uhr machten wir am Anleger fest. Um 10:30 Uhr gab es einen Bayrischen Frühschoppen. Die Restaurant Crew erschien in Dirndl oder Lederhosen. Es wurden in der Panorama Bar zu Leberkäse, Weißwürstel und Brezeln serviert und dazuWeißbier kredenzt. Der Bordmusiker Paul spielte dabei zünftig auf. Mutti und ich teilten uns eine Weißwurst mit Kartoffelsalat und ein Stück Leberkäse mit Krautsalat, denn um 11:30 Uhr gab es dann schon wieder Mittagessen.

Weißwurstparty

Weißwurstparty

Um 12:30 Uhr begannen die 5 Gruppen mit der Ausschiffung. Unsere Guides erwarteten uns schon vor dem Schiff. Diesmal benötigten wir keinen Bus, um in die Stadt zu gelangen. Wir mussten nur die Brücke überqueren und wir befanden uns mitten in der Altstadt. Die MS Nestroy hatte genau neben der historischen Senfmühle Halt gemacht. Hier wird heute noch Senf nach 200 Jahre alten Rezepten hergestellt. Besonders beliebt ist der Riesling-Senf. Mächtig thront die Reichsburg auf einem Hügel, der die Stadt überragt. Die Burg wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört. 1866 kaufte der Berliner Kommerzienrat Ravene das heruntergekommene Objekt und hauchte der Burg wieder Leben ein. Ab 1877 diente sie der Familie als Sommersitz. Heute gehört die Reichsburg der Stadt Cochem. Man kann den Rittersaal für diverse Veranstaltungen mieten.

Reichsburg Cochem

Reichsburg Cochem

Teile der alten Stadtmauer mit ihren 11 Türmen sind noch gut erhalten, obwohl die Stadt im Zweiten Weltkrieg schwer bombardiert wurde. Grund dafür war die Bahnstrecke, über die der Nachschub erfolgte. Der 4.205 m lange Kaiser-Wilhelm-Tunnel der durch den hinter der Altstadt liegenden Cochemer Krampen führt, war lange Zeit der längste Eisenbahntunnel Deutschlands.

Altes Stadttor, Cochem

Altes Stadttor, Cochem

Wie überall an den Flüssen wurde auch Cochem immer wieder von mehr oder minder starken Hochwassern überschwemmt. An vielen Häusern in Ufernähe konnten wir die Hochwassermarken sehen. Wir machten einen kurzen Spaziergang entlang der Moselpromenade. Hier befindet sich die Pfarrkirche St. Martin. Auch sie wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut. Beeindruckt hat mich ihr schlichtes Inneres mit den modernen, bunten Glasfenstern, die den Innenraum ein besonderes Licht tauchten.

Hinter der Kirche führte eine schmale Gasse zum Marktplatz mit dem alten Rathaus. Laut unserer Stadtführerin fließt einmal im Jahr aus dem Brunnen in der Mitte des Marktplatzes zum großen Weinfest purer Wein. Das restliche Jahr über soll der Wein durch eine unterirdische Leitung in das Rathaus fließen. Der Marktplatz ist von alten Bürgerhäusern in Fachwerkstil umrahmt.

Marktplatz Cochem mit Rathaus

Marktplatz Cochem mit Rathaus

Bevor unser Stadtrundgang am Marktplatz zu Ende ging, wollte uns die Stadtführerin noch einige schöne Fachwerkhäuser in den hintern Gassen zeigen. Ein besonders schmales, in dem sich eines der ältesten Gasthäuser der Stadt befindet, steht zum Verkauf. Ein anderes war wegen des Alters der Balken schon besonders schief. Am meisten hat es mir ein Haus angetan, indem sich eine Bäckerei befand. Hier lockte mich nämlich ein Stück des herrlichsten Frankfurter Kranzes, den ich je gesehen hatte. Gut, dass wir keine Zeit hatten.

Am Marktplatz zurückgekehrt, endete unser Stadtrundgang und wir hatten noch eine halbe Stunde Freizeit, bevor wir uns wieder an der Stadtmauer treffen würden. Ich konnte nicht widerstehen, ging zurück (wohin wohl? – blöde Frage) und kaufte mir ein Stück dieser hausgemachten Spezialität. Auch Spunte Käs (unserem Gludnerkäse ähnlich) und Weinbergpfirsichlikör wären Spezialitäten, die man probieren sollte. Doch die Verpflegung am Schiff war so gut und so reichlich, dass man Schwierigkeiten hatte, nebenbei noch extra was zu essen.

Wir wanderten zum Stadttor am Schiffsanleger zurück. Aus Keramik hatte hier ein Künstler die Geschichte der Stadt mit einem Weinstammbaum auf das Stadttor aufgebracht. Auf der Mauer des daneben liegenden Brunnens saßen der älteste und der jüngste Teilnehmer unserer Flusskreuzfahrt. Ein 95 jähriger Mann, der auf der Reise von seinem 19 jährigen Enkel begleitet worden war. Der Opa hat an allen Ausflügen und Veranstaltungen teilgenommen. Nebenbei hat er seinem Enkel noch das Bridgespielen beigebracht.

Opa und Enkel

Opa und Enkel

Eine niederländische Blasmusikkapelle hatte Aufstellung genommen und mit der flotten Musik war die Zeit bis zur Abfahrt unseres Buses in das zehn Kilometer entfernte Beilstein schnell vergangen. Während unsere Fahrt moselaufwärts waren die Hänge immer steiler geworden. Ganz in der Nähe befinden sich am Bremmer Calmont die steilsten Weinberge Europas. Bei einer Neigung von 75 % sind die Winzer auf Handarbeit und viel Muskelkraft angewiesen. Die Hänge rund um Beilstein waren mir schon steil genug! Auch da musste man aufpassen nicht abzurutschen.

Weingärten bei Beilstein

Weingärten bei Beilstein

Kein Wunder, dass schon ein römischer Dichter um 367 seine Eindrücke über die Gegend in dem Gedicht Mosella festhielt. Er beschreibt darin die Naturschönheit der Mosel, den Fleiß ihrer Anwohner, den Reiz und die Fruchtbarkeit des Moselufers und der angrenzenden Landschaft. Hier ein Auszug aus diesem als Gedicht:

Sei mir gegrüßt, du Strom,
dich preisen die Triften,
dich die, die hier wohnen ...
Du Strom, dich umrahmen weintragende Höhen,
wo Bacchus lässt reifen schönduftenden Wein,
und grünende Ufer umrahmen dich, -
du Strom, der ganz in Grün getaucht ...
Bis dort, wo der Hügel hoch oben
Am Joch schon himmelwärts strebt,
bis dorthin ist der Uferrand
mit grünem Wein bepflanzt.
Das Volk, das froh hier bei der Arbeit ist,
und die geschäftigen Winzer
sind flink bald oben am Gipfel,
bald dort, wo sich der Abhang neigt ...
Wenn im blauen Strom
Der Hügel dunkles Grün sich spiegelt,
dann sieht es so aus,
als grünten die Wasser des Flusses,
und traun! Im Strome selbst
scheint die Rebe angepflanzt zu sein ...
Da lässt sich der Schiffer zum besten halten
Und zählt diese grünen Reben noch mit.

Auch Beilstein wird von einer Burg überragt. Vom fünfeckigen Bergfried der Burgruine Metternich hat man einen herrlichen Blick über das Tal der Mosel.

Beilstein mit der Burgruine Metternich

Beilstein mit der Burgruine Metternich

In Beilstein wurden unsere fünf Gruppen wieder in zwei Gruppen geteilt, denn im Weinkeller der Familie Lipmann hatten nur 100 Gäste Platz. Da wir der zweiten Gruppe zugeteilt worden waren, machten wir zuerst mit unserer Stadtführerin eine Runde durch den Winzerort. Auf vielen Häusern stand der Name Lipmann. Der Mann war sehr kinderreich gewesen und hatte die halbe Stadt für seine Nachkommen aufgekauft. An Lipmann kommt man eben nicht vorbei.

Seit dem Mittelalter vergaben die Burgherren gegen Bezahlung Schutzbriefe an Juden. Ein Teil seines Wohlstandes verdankt die Stadt diesem Umstand. Deshalb führte unser Weg durch die Stadt auch an der alten Synagoge vorbei. Heute ist in den Räumen eine Künstlerwerkstatt eingerichtet. Da die gesamte Stadt schon seit längerem unter Denkmalschutz steht, ist sie die ideale Filmkulisse. An vielen Ecken hängen Schilder, die auf Filme hinweisen, die hier gedreht wurden. Die imposante Klostertreppe mit ihren 108 Stufen diente als Kulisse für den Film „Wenn wir alle Engel wären“ mit Heinz Rühmann.

Beilstein

Beilstein

Unsere Wanderung führte uns bis zur über der Stadt liegenden Karmeliterkirche St. Josef, die eine wunderschöne barocke Ausstattung hat. Hier wird die „Schwarze Madonna“ verehrt, die von spanischen Besatzungstruppen im 17. Jahrhundert zurückgelassen wurde. Die Aussicht auf die steilen Weingärten und die Mosel im Abendlicht waren überwältigend.

Im Zehnthauskeller fand dann die Weinverkostung des Weingutes Lipmann statt. Die junge, engagierte Winzerin stellte uns fünf verschiedene Rieslinge aus eigenem Keller vor. Die weißen hatten uns allen gut gemundet, der rote war nicht so mein Fall. Die ganze Familie half mit. Die kleinen Töchter schenkten den Wein aus und fragten, ob jemand eine Jause in Form von Flammkuchen und Schmalzbroten dazu essen wollte. Leider würde in Kürze unser Abendessen an Bord stattfinden und mehr geht einfach nicht.

Mit den Bussen wurden wir zum Schiff zurückgebracht. Da es schon spät war, gingen wir gleich in den Speisesaal, wo das Abendessen serviert wurde. Danach gingen wir – wie sollte es auch anders sein – in die Panorama Bar. Um 21:30 Uhr hieß es Leinen los. Beim Verlassen von Cochem war die Burg schon beleuchtet. Der Anblick der Stadt hatte etwas Feierliches an sich. Diese Burg verabschiedete sich. Doch am nächsten Tag würden wir Burgen sehen, die sich wie Perlen auf den Hängen links und rechts des Mittelrheins auffädeln würden.

Posted by fegoesrhein 16:11 Archived in Germany

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