A Travellerspoint blog

Tag 1 Fortsetzung

DIE FEHLENDE HAUPTSTADT BRATISLAVA

sunny 30 °C

Früher Vogel fängt den Wurm. Nach diesem Motto müssen wir heute früh aufstehen, um möglichst viel aus unserem Tag rauszuholen.

Gusti und Peter holte ich um sieben Uhr mit dem Auto ab. In Feldkirchen besorgte ich uns noch frisches Gebäck für das Frühstück, das wir während der Bahnfahrt von St. Veit nach Wien zu uns nehmen würden. Es freut mich besonders, dass uns unsere Nachbarn bei dieser Fahrt begleiten werden. Kurz vor 08:00 Uhr verlässt der Railjet 532 den Bahnhof St. Veit. 3,5 Stunden dauerte die Fahrt nach Wien Hauptbahnhof. Dort stiegen wir aus und fuhren auf der Rückseite des Bahnsteiges mit der Rolltreppe nach unten. Am Ticketautomat kauften wir Fahrkarten für eine Fahrt innerhalb des Verkehrsverbundes Wien. Mit dieser Karte konnten wir mit der Straßenbahnlinie D bis zum Bahnhof Wien Nussdorf fahren. Etwas über vierzig Minuten dauerte die Fahrt vom neuen Hauptbahnhof an die Stadtgrenze von Wien.

Mit der D vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Nußdorf

Mit der D vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Nußdorf

Wir konnten diese Fahrt mit der Tram auch gleich als Stadtrundfahrt verwenden – liegt die Trassenführung doch in der Nähe von vielen Sehenswürdigkeiten. Schon bald nach dem Hauptbahnhof liegt mitten in einem riesigen Park das Schloss Belvedere. Am Ende dieser großen Anlage konnten wir einen Blick auf die Karlskirche erhaschen. Am Schwarzenberg Platz erreicht die Linie D den Ring mit seinen vielen Prachtbauten. Hier geht es Schlag auf Schlag: die Wiener Staatsoper, die Hofburg, gegenüber das Kunst- und Naturhistorische Museum gefolgt vom Parlament, dem Volksgarten, danach das Burgtheater und das fast gegenüber liegende Rathaus. Hinter der Universität Wien konnte man die Türme der Votivkirche sehen. Vorbei an der Roßauer Kaserne und dem Palais Liechtenstein gelangten wir zum Franz-Josefs-Bahnhof. Jetzt waren wir der Donau schon sehr nahe. Der von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Turm der Müllverbrennungsanlage Spittelau überragte die ganze Gegend. Kurz bevor wir unser Ziel erreicht hatten, fuhren wir noch an einem Symbol des sozialen Wohnbaues vorbei, dem aus den Jahren 1926 bis 1930 stammenden 1.200 Meter langen Karl-Marx-Hof.

Danach hatten wir dann auch schon den Bahnhof Nußdorf erreicht, von wo aus wir einen zehnminütigen Spaziergang zum Schiffsanleger machten. Wir wollten so rechtzeitig am Anleger sein, dass wir nicht auf das ganz große Chaos der Anreisenden mit den Taxis treffen – und dass hatten wir auch geschafft. Ab 14:00 Uhr hieß es Boarding und um 14:30 Uhr Leinen los. Zu meinem großen Erstaunen hing ein Willkommensplakat am Schiff mit der Aufschrift, dass wir bereits um 13:00 Uhr auf das Schiff konnten. Natürlich umso besser, denn verändert hatte sich am Schiffsanleger Nußdorf nichts – hier gab es weder eine Bank zum Niedersitzen noch eine Toilette. So sollte man beim Einschiffen besser schönes Wetter haben und nicht zu früh am Anleger sein.

MS Primadonna mit Schiffsanleger Nußdorf

MS Primadonna mit Schiffsanleger Nußdorf

Wir bestiegen gleichzeitig mit einer Filmcrew das Schiff. Die MS Primadonna ist, behauptet die österreichische Reederei unter deren Flagge sie fährt, der einzig echte Fluss-Katamaran der Welt. Das zweigrößte Donaukreuzfahrtschiff hat eine Länge von 113,5 m, ist 17,4 m breit und erreicht eine Geschwindigkeit von 17 Knoten. In den 80 Außenkabinen haben 160 Passagiere Platz, die von 47 Besatzungsmitgliedern betreut werden. Das Schiff hat 4 Decks, auf denen sich unter anderem ein kleiner Indoor-Whirlpool, ein noch kleinerer Outdoor-Whirlpool und eine Sauna befinden. Besonders auffallend am Schiff ist die Doppelrumpfbauweise des Katamarans, die 9 m hohe Bugverglasung in dem sich die Donauarena „Primavista“ befindet und der Glasboden an der Rezeption, der eine außergewöhnliche Sichtweise auf die Welt unterhalb des Flusses freigibt.

Rezeption MS Primadonna mit Glasboden

Rezeption MS Primadonna mit Glasboden

Ich war schon sehr gespannt auf unsere Kabine. Am Oberdeck und Panoramadeck wurden die Kabinen schräg angeordnet, damit man keine freie Sicht auf den Balkon des Nachbarn hat. Durch diese Anordnung entsteht auch eine 60 m lange Hotelhalle, die mit gelben und roten Sofas möbliert war. Dadurch wurde eine bunte Atmosphäre geschaffen, in der die Passagiere gerne verweilten. Hier waren auch Kaffee in Thermoskannen, ein Samowar mit heißem Wasser für frischen Tee und kaltes Wasser zur freien Entnahme aufgestellt. Untermalen konnte man die Pause durch das Lesen der verschiedenen Zeitungen, die hier aufgelegt waren.

Hotelhalle auf der MS Primadonna

Hotelhalle auf der MS Primadonna

Unsere Kabinen waren allerdings am Heck des Hauptdecks und sollten laut Ausschreibung mit einem Stockbett ausgestattet. Der Bezug der Kabinen fand allerdings erst um 17 Uhr statt. Da die Decks allerdings nicht gesperrt waren, begaben wir uns gleich auf die Suche nach unseren Kabinen. Zugewiesen wurden uns an der Rezeption die Kabinennummer 123 und 125. Zu meinem großen Erstaunen hatten wir wunderschöne Kabinen, die keine Stockbetten hatten. Das nicht zu öffnende Bullauge war riesengroß und gab einen schönen Blick auf die Donau frei. Auch das kleine Bad hatte Alles, was man brauchte.

160910 MS Primadonna, Kabine 123 auf dem Hauptdeck

Da die Kabinen noch nicht bezugsfertig waren, begaben wir uns in den Speisesaal. Dort wurde uns in der Zwischenzeit das Mittagessen gereicht. Die Portionen von Vor-, Haupt- und Nachspeise waren nicht sehr groß, aber man konnte jederzeit Nachschlag verlangen. Uns reichten die drei Gänge vollkommen. Gleich nachdem wir abgelegt hatten, kamen wir an einer Besonderheit vorbei. Das Bundesgymnasium GRG 21 ist in zwei gekoppelten Schiffen untergebracht. Helmut Zilk hatte die Idee der schwimmenden Schule – einerseits herrschte in Wien am Schulsektor akuter Platzmangel, andererseits war die Schiffswerft Korneuburg durch den Ausfall der Sowjetunion als Auftragsgeber für Schiffe in ihrer Existenz bedroht. 1994 wurden die 36 Klassenzimmer, des auf den Namen Bertha von Suttner getauften Schiffsverbandes, bezogen.

Von der Wiener Altstadt sah man von Schiff aus Nichts. Entlang der Donau liegen die neuen, modernen Bezirke der Stadt. Der 202 m hohe Millennium Tower ist mit seinen 50 Geschossen das zweihöchste Bürogebäude Österreichs. Dahinter sieht man die vielen Türme der Pfarrkirche zum heiligen Franz von Assisi, die auch Kaiserjubiläumskirche oder Mexicokirche genannt wird. Auf der linken Seite im Stadtteil Kaisermühlen liegen die berühmtesten Strände Wiens – die Copa Cagrana und das Gänsehäufel. Der 252 m hohe Donauturm, der mitten im Donaupark steht, wurde 1962 bis 1964 anlässlich der Wiener Internationalen Gartenschau errichtet. Das Vienna International Center, in dem die Vereinten Nationen und das Austria Center Vienna untergebracht sind, zählt zu den älteren modernen Bauten Wiens. Kaum zu glauben, dass mit dem Bau des Gebäudekomplexes bereits 1973 begonnen worden war.

Bei der Mexicokirche überquert die Reichsbrücke die Donau. Ihre Vorgängerin stürzte am 1.8.1976 auf voller Breite der Donau ins Wasser. Nach dieser Brücke beginnt auf der rechten Donauseite der sportliche Teil Wiens. Hier befinden sich die ausgedehnten Grünflächen des Praters, der Trabrennplatz in der Krieau, das Wiener Stadion Bad und das Ernst-Happel-Stadion. Am Handelskai befindet sich nicht nur das Nobelhotel Hilton Danube Waterfront, sondern auch das aus der Serie SOKO Donau bekannte Hauptquartier der Schiffspolizei. Bevor wir dann in unsere erste Schleuse einfahren würden, kamen wir an Österreichs einziger Pagode vorbei. 1982 wurde mit dem Bau der buddhistischen Stupa begonnen.

Vorerst hatten wir in der Panoramabar platzgenommen, wo wir einen Kaffee zu uns nahmen. Von der Donauarena Primavista aus hatte man wirklich einen tollen Blick auf die umliegende Landschaft. Hinter uns saß auch das Filmteam. Ich war sehr erstaunt, einen Bekannten unter ihnen zu entdecken: Jamie von Kochen mit Jamie von Puls 4 war mit an Bord und es sollte eine seiner Kochshows hier am Schiff gedreht werden.

MS Primadonna, Donauarena Primavista

MS Primadonna, Donauarena Primavista

Dann war die Donau vor uns zum ersten Mal abgesperrt. Mit dem Kraftwerk Freudenau wird seit 1998 sauberer Strom aus Donauwasser erzeugt. Natürlich mussten wir dieses Wunderwerk der Technik aus der Nähe bestaunen. Durch Wien war das Sonnendeck wegen der vielen niederen Brücken geschlossen worden, aber jetzt war es wieder offen. Von dort aus konnten wir den Schleusenvorgang genau beobachten. Dies war ja für Gusti und Peter Neuland. Wir mussten in die Schleuse und konnten dabei beobachten, wie die Talsperre von den Radfahrern als Brücke über die Donau benutzt wurde. Kurz nach der Schleuse sieht man am Prater Spitz, wo der heutige Donaukanal wieder in die Donau mündet. Im Mittelalter war der Lauf des heutigen Donaukanals der eigentliche Hauptarm der Donau. Doch bereits um 1600 begann man mit der ersten Donauregulierung, bis Maria Theresia sie dann nach vielen Hochwasserschäden endgültig in ein neues Bachbett in den Norden der Stadt verbannte.

Kraftwerk Freudenau

Kraftwerk Freudenau

Sonst war ich immer während des Schleusenvorgangs mit dem Auspacken unserer Koffer beschäftigt. Diesmal musste ich allerdings am Sonnendeck bleiben, denn die Filmcrew hatte bereits ihre Kameras positioniert und auf den kochenden Jamie gerichtet. Er würde im Laufe der Aufzeichnung Köstlichkeiten aus Wien, Bratislava und Budapest kochen – eben das Essen, das auch wir dann am Bord serviert bekommen würden. Als Vorspeise gab es Lachsforelle aus der Donau mit Speck ummantelt auf Polenta mit Gemüse. Zum Hauptgang natürlich ein scharfes Gulasch mit Semmelknödel aus Toastbrot. Topfenknödel auf Marillenspiegel wurden zum Nachtisch gereicht. Alle Speisen mussten bis Bratislava fertig sein, denn da ging die Filmcrew wieder von Bord. Die Sendung wird am 9. Oktober um 18:30 Uhr in Puls4 ausgestrahlt werden.

Aufzeichnung der Sendung „Kochen mit Jamie“

Aufzeichnung der Sendung „Kochen mit Jamie“

Nach dem Kraftwerk Freudenau führten viele dicke Rohre über die Donau. Sie transportieren Erdöl aus dem Zentraltanklager Lobau der OMV Wien zur nahegelegenen Raffinerie Schwechat. Immer wieder überquerten auch tieffliegende Flugzeuge, die am Wiener Flughafen landen würden, die Donau. Eigentlich liegt das Tanklager mitten in der Lobau. Dieser Wasserwald ist ein Teil vom Nationalpark Donau-Auen. In der Lobau hat sich die Daubelfischerei erhalten, bei der mit querstehenden Netzen, die in den Fluss abgesenkt werden, Flussfische gefangen werden. Dass Hochwasser keine Seltenheit ist, beweist die Bauweise der Fischerhütten, die das Flussufer in unangenehmer Art und Weise säumen. Alle sind auf Piloten erbaut.

Der 38 Kilometer lange Nationalpark Donau-Auen ist ein grünes Band, das sich von Wien bis zur Mündung der March an der Staatsgrenze zur Slowakei erstreckt. Er zählt zu den größten weitgehend intakten Aulandschaften Mitteleuropas. 1984 wurde diese Naturlandschaft durch den Plan hier ein Laufwasserkraftwerk zu errichten, bedroht. Durch die Besetzung der Hainburger Au, an der sich auch viele bekannte Persönlichkeiten wie Günther Nenning oder Peter Turrini beteiligten, konnte dieses Naturparadies für die Nachwelt erhalten werden.

In Carnuntum, das am Flussufer liegt, war schon zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. ein Legionslager und Verwaltungszentrum der römischen Provinz Pannonien. Hainburg an der Donau ist dann eine der letzten größeren Orte in Österreich. Dort, wo der Fluss eine leichte Biegung macht, mündet die March in die Donau. Sie bildet nicht nur die Grenze zur Slowakei, sondern auch den Beginn der Vorstädte der Stadt Bratislava. Die stark meandrierende March bildet auf 29 Kilometern die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei. Auf einem mächtigen Steinfelsen oberhalb des Mündungsgebietes liegt die Burgruine Devin oder auch die Burg zu Theben genannt. Zur mittelalterlichen Burg aus dem 13. Jahrhundert kam 200 Jahre später ein palastähnlicher Bau hinzu, um die Burg gegen die Osmanen zu schützen. Einzig Napoleon gelang es, sie einzunehmen und zu zerstören. Seit 1961 ist sie jedoch ein slowakisches Nationaldenkmal, das allerdings nur 40 m von der österreichischen Grenze entfernt liegt.

Burg Devin an der Mündung der March in die Donau

Burg Devin an der Mündung der March in die Donau

Die Stadt Bratislava dehnt sich zu beiden Seiten der Donau aus und liegt an den Ausläufern der Kleinen Karpaten. Die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes mit dem UFO Restaurant auf der Spitze des Pylonen in 85 m Höhe verbindet die beiden Stadtteile. Um 18:30 Uhr legten wir in Bratislava an. In der Abenddämmerung machten wir mit Kristina, einer sehr humorvollen Slowakin, einen geführten Stadtrundgang. Bratislava, das ehemalige Pressburg, ist mit etwa 500.000 Einwohnern nicht nur die größte Stadt der Slowakei, sondern auch die Hauptstadt. Sie liegt im Dreiländereck mit Österreich und Ungarn und ist damit die einzige Hauptstadt der Welt, die an mehr als einen Nachbarstaat grenzt.

Bratislava mit der Burg und der SNP-Brücke

Bratislava mit der Burg und der SNP-Brücke

Die Pressburg, die auf einem 85 m hohen Felsen über der Donau thront, beherrscht die Stadt. Hier siedelten die Kelten, die Germanen und die Römer. Die Pestsäule, vor der wir Halt machten, wurde zum Dank erbaut, dass Bratislava nicht viele Pestopfer hatte. Kristina meinte, dass hier schon immer mehr Wein als Wasser getrunken wurde. Von hier aus führt eine im Wellenmuster der Donau gepflasterte Fußgängerzone in den alten Teil der Stadt. Nicht nur in der Fußgängerzone stehen Bronzestatuen, sondern sie sind in der ganzen Stadt verteilt. In der Fußgängerzone steht eine von Hans Christian Anderson. Auf die Frage, ob er über Bratislava ein Märchen schreiben würde, antwortete der Dichter, dass die ganze Stadt ein Märchen sei.

Märchenhaft ist auch der Dom zu St. Martin. Der charakteristische, 85 m hohe Turm wird von der Nachbildung der ungarischen Stefanskrone auf einem Kissen liegend gekrönt. Sie hat einen Durchmesser von einem Meter und wiegt über 300 kg. 8 kg Gold wurden dafür verarbeitet. Während der Besetzung von Budapest durch die Osmanen fanden im Dom von 1563 bis 1830 die Krönungen von elf Königen und acht Königinnen statt – darunter auch die von Maria Theresia.

Krönungskirche St. Martin in Bratislava

Krönungskirche St. Martin in Bratislava

Heute ist Bratislava die kleine Autohauptstadt Europas. Hier werden nicht nur VW und Skoda erzeugt, sondern auch Peugeots. Das „Alte Rathaus“ erinnert an die französische Belagerung der Stadt in den Jahren 1805-1809. Das Rathaus, das am Hauptplatz liegt, besteht aus drei miteinander verbunden Gebäuden und besitzt einen Wehrturm. Viele andere Palais stammen noch aus der Zeit der k. und k. Monarchie oder sind im Jugendstil errichtet worden.

Rathaus zu Bratislava

Rathaus zu Bratislava

Nachdem der Primatialpalais in die Jahre gekommen war, verkaufte die Kirche das stark renovierungsbedürftige Gebäude der Stadt. Hier war 1805 der Frieden von Pressburg nach der für Österreich vernichtenden Dreikaiserschlacht von Austerlitz unterschrieben worden. Bei der Renovierung des Gebäudes wurden sechs Tapisserien aus dem Jahr 1630 mit Darstellungen aus der griechischen Mythologie entdeckt. Nach einigen Prozessen gegen die Kirche gelang es der Stadt Pressburg die Besitzrechte zu erhalten und so sind die wertvollen Gobelins heute für die Allgemeinheit im Palais zu besichtigen.

Primatialpalais Bratislava

Primatialpalais Bratislava

In der Kaffee Konditorei Mayer waren dann Vitrinen mit Kunstwerken der anderen Art zu besichtigen. Leider hatten wir keine Zeit, ein Stück der köstlichen Süßigkeiten zu verspeisen. An der Ecke des Hauses steht eine Statue des Stadtoriginals, des Schönen Ignazius, der vor jedem den Hut zieht und ins Kaffee einlädt. Die bekannteste dieser Skulpturen die durch die Stadt aufgestellt worden sind, ist jedoch der „Man at Work“ – der Mann, der aus dem Kanaldeckel guckt. Angeblich soll der Arbeiter bei einer Pause den vorbeigehenden Damen unter die Röcke gucken. Vor allem die Japaner und Chinesen legen sich zu ihm auf den Gehsteig für ein Foto.

The Man at Work

The Man at Work

Der Stadtrundgang endete dann wieder in der Fußgängerzone vor dem Slowakischen Nationaltheater, das reich mit Blumen geschmückt war. Da Bratislava von Wien aus mit dem Zug und dem Twin City Liner in ungefähr einer Stunde zu erreichen ist, sind viele Besucher des Theaters Österreicher, die lieber die Opern in der traditionellen Inszenierung sehen, als in modernen wie in Wien. Vor der danebenliegenden slowakischen Philharmonie waren schon Absperrungen vorbereitet. Am Samstag würde hier ein Gipfeltreffen der EU-Minister stattfinden. Die Slowakei hat zurzeit den EU-Vorsitz inne und ist somit Gastgeberland für viele Treffen.

Slowakisches Nationaltheater

Slowakisches Nationaltheater

Wir hatten danach noch ein bisschen Zeit, um durch die sehr belebte Fußgängerzone zu schlendern. Viele Einheimische und Touristen nutzen den lauen Abend, um draußen zu sitzen und ein Gläschen Wein zu trinken. Gut war auch das Eis, das Gusti und Peter probiert hatten. Weit war es nicht mehr bis zum Schiff. Auf den Weg dorthin genossen wir die schön beleuchtete Stadt. Mittlerweile war es finster geworden und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten erstrahlten in hellem Licht.

Bratislava mit Burg und Dom zu St. Martin bei Nacht

Bratislava mit Burg und Dom zu St. Martin bei Nacht

Wir hatten gerade noch ein wenig Zeit, uns für das Abendessen, das ab 20:15 serviert wurde, umzuziehen. Heute wurde sogar zu jedem Gang eine Weinbegleitung kredenzt. Wir hatten lustige Tischnachbarn aus dem Süden von Wien – ein Pärchen, das kein Pärchen war, aber sehr gut zusammenpasste. Beide sprachen dem Wein gerne zu und tanzten dann noch lustig in der Bar. Die Vorspeise, geräucherter Speck mit gebratenen Auberginen begleitet von einem Weißwein, war übersichtlich aber nicht so klein wie eine mit Ameisenleber gefüllte Schnittlauchrolle (Aussage unseres Tischnachbarn). Suppe vom Muskatellerkürbis war der nächste Gang. Danach konnte man wählen zwischen Beef Stroganoff mit drei Riesenspätzle oder Lachsforelle auf Polentascheibe, wahlweise mit roter oder weißer Weinbegleitung. Während des Essens hatten wir immer einen tollen Ausblick auf die beleuchtete Stadt. Zum Nachtisch wurden Käsevariationen mit Feigensenf serviert. Und obwohl die Portionen alle übersichtlich waren, wurden wir alle satt.

Noch während des Abendessens um 21:30 Uhr sagten wir der Slowakei ade. Für mich war auf jeden Fall Bratislava eine Reise wert und ich glaube, dass ich bei einem meiner Aufenthalte in Wien sicher wieder einmal einen Abstecher nach Pressburg machen werde. Zur Abendunterhaltung wurde im Bordtheater der Film „Der Clou“ gezeigt. Wir aber begaben uns wieder in die Panoramabar auf einen Schlaftrunk. Bis zur Mitternachtsjause um 23:30 Uhr hielten wir aber nicht durch, denn wir hatten einen langen und sehr ereignisreichen Tag hinter uns, denn wir mit vielen schönen Erinnerungen gefüllt hatten.

Posted by fegoesrhein 16:46 Archived in Slovakia

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