A Travellerspoint blog

Tag 10

Donaudurchbruch

sunny 23 °C

Während der Nacht hatten wir wieder das Fahrwasser gewechselt und bei Kehlheim die gute, alte Donau erreicht. Das heutige Programm wird etwas anstrengend werden, denn für den Vormittag ist ein Stadtrundgang durch Regensburg geplant, am Nachmittag eine Schifffahrt durch den Donaudurchbruch und am Abend das Abschiedsdinner.

Wir hatten diesmal den Vorteil, dass wir wirklich mitten in der Stadt vor Anker lagen. Gleich nach dem Frühstück wurden wir von unseren Stadtführern am Kai empfangen. Unserer war ein lautstarker, bayrischer Schreihals, der bei seinen Kolleginnen gar nicht so gerne gesehen war. Uns machte es jedenfalls Spaß, mit ihm die Bischofsstadt mit etwa 150.000 Einwohnern zu besuchen. Regensburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands und die am nördlichsten liegende Stadt an der Donau.

Erster Stopp war beim Wirtshaus Brandl Bräu, an dessen Außenfassade eine Darstellung des Bären an der Kette, unsere Aufmerksamkeit erregte. Wie überhaupt scheint es, dass es in Regensburg viele Gasthäuser gibt. Denn auch den Regensburger Dom zu St. Peter erreichten wir durch den Gastgarten eines Hofbräuhauses. Aus den Probenräumen der Regensburger Domspatzen hörte man kirchliche Choräle. Heute war Christi Himmelfahrt und wenn wir Pech haben, dann können wir den Innenraum des gotischen Domes wegen der Messfeier gar nicht besuchen. Unser Stadtführer nahm den Hintereingang, der zur Sakristei führte – und tatsächlich mussten wir warten bis der Bischof mit Gefolge an uns vorüberzog.

Dom zu St. Peter in Regensburg

Dom zu St. Peter in Regensburg

Während wir die Türme des Domes von Außen betrachteten, fiel mein Blick auf einen Namen, der eine Auslage zierte – Brasserie du Thurn und Taxis. Dann wandte sich allerdings auch unser Stadtführer schon in diese Richtung und wies auf die berühmte Familie hin, die Mitten in Regensburg ein Schloss mit wunderschöner Gartenanlage besitzt. Das bekannteste Mitglied der Familie ist wohl die schrullige Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Die Familie erwarb ihren Reichtum aus dem Verkauf der Postrechte.

Der Haidplatz, der Mitten in der Altstadt liegt, wird von vielen alten Gebäuden umringt, die alle UNESCO Weltkulturerbe sind. Das „Goldene Kreuz“ ist eine ehemalige Patrizierburg mit Geschlechterturm. Berühmte Persönlichkeiten wie Kaiser Franz Josef von Österreich und König Ludwig I. von Bayern haben hier übernachtet. Auf dem Haidplatz fanden im Mittelalter Ritterturniere statt. Mitten auf dem Platz steht der Justitiabrunnen, der früher die Stadt mit Trinkwasser versorgte.

Haidplatz Regensburg mit dem Hotel zum Goldenen Kreuz

Haidplatz Regensburg mit dem Hotel zum Goldenen Kreuz

Das Goliath Haus aus 1260 ist das Wahrzeichen der Stadt Regensburg. Das um 1573 entstandene Gemälde vom Kampf Davids gegen Goliath ist UNESCO Weltkulturbestand.

Das Goliath Haus in Regensburg

Das Goliath Haus in Regensburg

Um das nächste Wahrzeichen der Stadt ranken sich zwei Legenden. Zum einen soll der Teufel dem Brückenbauer beim Bau geholfen haben. Denn dieser hatte mit seinem Lehrmeister, dem Erbauer des Doms eine Wette abgeschlossen, wessen Bau zuerst vollendet werden würde. Als Lohn sollte der Teufel die ersten drei Seelen erhalten, die über die Brücke gingen. Die Brücke wurde zuerst fertiggestellt und sodann ließ der Brückenbauer bei der Eröffnung als ersten einen Hahn, dann einen Hund und als dritte eine Henne über die Brücke. Heute wird die Brücke gerade renoviert. Ich war froh, dass sie nicht gerade fertig geworden war. Wer weiß, welcher Pakt in der heutigen Zeit abgeschlossen worden ist.

Regensburg, Steinerne Brücke

Regensburg, Steinerne Brücke

Somit hatten wir auch wieder das Ufer der Donau erreicht. Viele Kreuzfahrtschiffe hatten hier angelegt. Es war interessant, an ihnen vorbei zu gehen. Jedes ist etwas anders. Ganz neu ist die Kristallkönigin, die mit Kristallen der Firma Swarovski übersät ist. Die glitzern so schön im Sonnenschein. Aber wir waren mit der MS Nestroy sehr zufrieden. Wir hatten dort eine kuschelige neue Heimat gefunden. Schade, dass die Reise schon bald zu Ende gehen würde.

Am Schiff angekommen hieß es schon wieder, dass die Türen zum Speisesaal geöffnet seien. Heute gab es ein frühes Mittagessen um 11:30 Uhr, denn um 12:45 Uhr würde schon der nächste Ausflug starten. Wir aßen und begaben uns sofort auf die Kabine, wo ich Mutti dazu überreden konnte, sich etwas im Bett auszuruhen. Ich stellte den Wecker und legte mich auch hin. Es tat gut, die Beine auszustrecken.

Nachdem der Wecker abgegangen war, nahmen wir unsere Taschen und Jacken und begaben uns zur Rezeption, um wieder unsere Schlüssel gegen die Landkarten zu tauschen. Vor dem Schiff wartete schon wieder unser Schreihals auf uns, der uns zum bereitstehen Bus begleitete. Von Regensburg aus fuhren wir entlang der Donau zum Kloster Weltenburg, das in einer Donauschleife gelegen ist. Vom Bus aus sahen wir die Stelle, wo der Main-Donau-Kanal bei Kelheim in die Donau mündet. Schon von weitem sichtbar war die Befreiungshalle, die wir auf der Rückfahrt mit dem Boot noch besser sehen würden.

Kloster Weltenburg

Kloster Weltenburg

Am Parkplatz standen bereits viele Buse und private PKWs. Viele Menschen nützten den Feiertag und das wunderschöne Wetter für einen Ausflug. Wir waren in der zweiten Gruppe zur Besichtigung der Klosterkirche eingeteilt. So hatten wir eigentlich vor, in der Gastwirtschaft des Klosters einzukehren. Die Klosterbrauerei Weltenburg ist die älteste Klosterbrauerei der Welt, in der die Benediktiner schon seit 1050 Bier nach alter Tradition brauen. Nicht mal das Personal hatte mit so einem Ansturm gerechnet. Es war fast unmöglich einen Sitzplatz im schattigen Gastgarten zu finden. So gingen wir in den kleinen, aber klimatisierten Klosterladen und sahen wir uns dort etwas um. Mutti wurde jedoch müde vom Herumstehen und so beschlossen wir, in die Kirche zu gehen. Dort ist es meistens kühl und Sitzbänke gibt es auch.

Wir hatten Glück. Ein pensionierter Professor hatte gerade mit der Führung durch die von Außen unscheinbare Klosterkirche zum Heiligen Georg begonnen. Der Innenraum war reich geschmückt. Sehr beeindruckend war der Heilige Georg, der auf einem überlebensgroßen Schimmel das Altarbild zierte. Von jeder Statue und jedem Bild wusste der Professor etwas zu berichten. Er hatte es auch gar nicht gerne, wenn man ihm nicht aufmerksam zuhörte. Später eintretende Gäste bat er, sich sofort zu setzen und still seine Ausführungen anzuhören. So ausführlich war mir eine Kirche noch nie erklärt worden. Einmal war es ja interessant, aber durch jede Kirche müsste ich auch nicht so geführt werden.

Heilige Georg in der Klosterkirche Weltenburg

Heilige Georg in der Klosterkirche Weltenburg

Bis zur Abfahrt unseres Ausflugsschiffes hatten wir noch genügend Zeit. Aber immer mehr Menschen wollten Richtung Anlegestelle und so entschlossen auch wir uns, dorthin zu gehen. Das Durchbruchstal wird von bis zu 80 m hohen Felswänden begrenzt. Auf den senkrechten Felswänden sah man viele Kletterer, die bei diesem schönen Wetter ihrer Sportart nachgingen. Es war sehr interessant, ihnen bei ihrem Weg nach oben zuzusehen.

Kletterer im Donaudurchbruch

Kletterer im Donaudurchbruch

Als dann unser Ausflugsboot ankam, mussten wir zurückweichen, um die Gäste aussteigen zu lassen. Erst dann konnten wir das Schiff entern. Nicht nur unsere Gruppe wollte auf das Boot, sondern auch viele andere. Das Schiff war sicher bis auf den letzten Platz besetzt. Der freundliche Kapitän, der aus der Gegend stammte, wollte uns seine Heimat auch etwas näher bringen. Eigentlich hat nicht die Donau die Weltenburger Enge ausgeschürft, sondern die Altenmühl, deren Bachbett die Donau nach Jahrhunderten übernommen hatte. Das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge ist 560 Hektar groß, etwa 5,5 Kilometer lang und bis zu 400 m breit.

Ausflugsboot Donaudurchbruch

Ausflugsboot Donaudurchbruch

Wir fanden einen Sitzplatz am Unterdeck, denn obwohl es ein heißer Tag war, zog es am Sonnendeck fürchterlich. Während der Fahrt konnten wir beobachten, wie links und rechts der Donau viele Menschen wanderten oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Die Felsen kamen uns zum Teil ganz schön nahe. In die Felsen waren Ringe befestigt. Diese wurden früher benutzt, um sich mit Hilfe von langen Stangen, an denen Hacken angebracht waren, stromaufwärts zu ziehen, während die Pferde, die sonst die Schiffe stromaufwärts zogen, einen Umweg über die Felsen machten mussten. Zwischen der Stillen und der Langen Wand verengt sich das Tal auf etwa 110 Meter und der Strom erreicht eine Wassertiefe von 20 Metern.

Donaudurchbruch

Donaudurchbruch

Danach weitet sich das Tal wieder. Der Kapitän wies hin und wieder auf Kalksteinformationen hin, die etwa die Form einer Bischofsmütze oder eines Löwen hatten. Manche Gebilde hatten bezeichnende Namen wie Zwei-Sich-Küssende, Versteinerte Jungfrau oder die drei feindlichen Brüder. Kurz vor Kehlheim sah man schon den runden Turm der Befreiungshalle am Michelsberg. Links daneben ist die Felsformation Napoleons Reisekoffer, den er einer Sage nach beim Rückzug vergessen haben soll. Der Bau der Befreiungshalle wurde von König Ludwig I als Gedenkstätte für die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813 – 1815 und als Mahnmal für die Einheit Deutschlands in Auftrag gegeben.

Die Befreiungshalle am Michelsberg mit Napoleons Reisekoffer

Die Befreiungshalle am Michelsberg mit Napoleons Reisekoffer

Immer wieder kamen uns Ausflugsboote entgegen. Da anscheinend in Kelheim gerade eine Art von Mittelalterfest stattfand, kam uns sogar eine alte „Umler Schachtel“ entgegen. Trommler und andere Menschen in mittelalterlicher Tracht gingen mit Kind und Kegel am alten Treidelweg spazieren.

Mittelalterfest

Mittelalterfest

Bei der Schiffsanlegestelle in Kehlheim warteten die Buse schon auf uns. Die Fahrt zurück zum Schiff führte durch landwirtschaftliches Gebiet. Man konnte den Feldarbeitern beim Spargelstechen zu sehen. Wunderschön golden glänzten die Rapsfelder, die gerade in voller Blüte standen. Zwischendrin gab es immer wieder kleine neue Siedlungen. Die meisten Dächer waren in Rot gehalten. Der Kurort Bad Abbach war bereits bei den Römern bekannt. Hier gab es eine große Militärziegelei. Kurz danach überquerten wir die Donau und waren somit wieder nach Regensburg zurückgekehrt.

Wir gingen gleich in die Kabine und zogen uns für das Galadinner um. Um 18:30 Uhr fanden sich alle beim Auslaufen des Schiffes in der Panorama Bar zum Abschiedscocktail ein. Am folgenden Abend würden uns in Linz bereits die ersten Passagiere während des Abendessens verlassen. Unter der Moderation des Kreuzfahrtleiters Tim Meyle verabschiedeten sich die Leiter der verschiedenen Resorts von uns. Natürlich hielt auch der ungarische Kapitän seine Abschiedsrede und wünschte uns allen ein gutes Nachhausekommen.

Abschiedscocktail

Abschiedscocktail

Dann hieß es wieder: „Die Türen des Speisesaales sind für sie geöffnet“. Es gab ein sechsgängiges Menü. Gleich nach dem ersten Gang sah ich auf der rechten Seite ein Gebäude, das aussah wie ein griechischer Tempel. Meine Neugier trieb mich nach Draußen. Leider bekamen wir wie immer von der Kreuzfahrtleitung keine Hinweise darauf, was dieses Gebäude zu bedeuten hatte. Aber Mr. Google gab mir die Auskunft, dass es sich dabei um Walhalla handelte. In dieser Gedenkstätte werden seit 1842 bedeutende deutschsprachige Persönlichkeiten mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt. Benannt ist sie nach Walhall, der Halle der Gefallenen in der nordischen Mythologie. Begonnen wurde mit 96 Büsten, heute gibt es bereits 130, wovon 12 weiblichen Geschlechtes sind. Früher entschied König Luwig I über die Aufstellung der Büsten, heute der Bayrische Ministerrat.

Gedenkstätte Walhalla

Gedenkstätte Walhalla

Danach begab ich mich wieder sofort in den Speisesaal, denn ich wollte nicht, dass mein Rinderfilet kalt werden würde. Das ausgezeichnete Mahl wurde natürlich von einen köstlichen Dessert gekrönt. Die gesamte Mannschaft nahm Aufstellung – vom Zimmermädchen bis zum Matrosen, um sich von uns zu verabschieden. Das mit Eischaum überbackene Eis wurde in großen Stücken serviert.

Galadinner

Galadinner

Danach gab es noch ein Geburtstagkind zu feiern, das auch eine Torte erhielt. Zum Abschluss begaben wir uns natürlich in die Panorama Bar, wo es einen Film über die Donau, auf der wir jetzt bis Wien fahren würden, gab. Bis nach Mitternacht wurde dann zum Tanz aufgespielt.

Posted by fegoesrhein 16:29 Archived in Germany

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