A Travellerspoint blog

Tag 4 Fortsetzung

RÜCKKEHR NACH WIEN

sunny 20 °C

Nachdem wir die Staustufe Gabcikovo schon am späten Vorabend passiert hatten, hatten wir eine ruhige Nacht verbracht. Gerade als wir zum Kraftwerk Freudenau kamen, waren wir auf dem Weg zum Frühstück. Zwischen 07:30 bis 08:45 Uhr konnten wir noch das Frühstücksbuffet genießen. Wir hatten es diesmal nicht so eilig. Ich hatte extra den späteren Zug gebucht, nachdem wir bei unserer letzten Ankunft in Wien so wenig Zeit hatten vom Schiff zum Bahnhof zu gelangen. Bis 08:30 Uhr mussten wir die Koffer vor die Kabinentüre stellen, damit sie zur Rezeption transportiert werden würden. Als wir zur Kabine zurückkehrten, lag schon frische Bettwäsche auf dem Schreibtisch. Lange hatte das Kabinenpersonal nicht Zeit, die Betten zu überziehen, denn um 14:00 Uhr begann schon das nächste Borden.

Doppelkabine auf der MS Primadonna

Doppelkabine auf der MS Primadonna

Das Schiff näherte sich dem Anleger Nussdorf. Es war schön, dass wir uns Zeit lassen konnten. Sobald das Schiff festgemacht hatte, begann schon die Drängerei. Jeder wollte der Schnellste sein. Wir ließen den großen Ansturm vergehen. Wir mussten bis 10:00 Uhr das Schiff verlassen. Unser Zug würde erst um 12:25 Uhr von Wien Hauptbahnhof abfahren. An der Rezeption deklarierten wir dann unseren Koffer. Einer vom nautischen Personal brachte uns die Koffer dann bis zum Kai. Während unseres Spaziergangs zurück zum Bahnhof Nußdorf konnten wir uns von der Donau verabschieden, auf der wir vier herrliche Tage verbracht hatten.

In Nußdorf warteten wir bei der Haltestelle auf die „D“. Mit dieser Straßenbahnlinie würden wir wieder eine Stadtrundfahrt durch Wien zurück zum Ostbahnhof machen. Jetzt wussten wir schon, wie es funktioniert. Fahrkarten hatten wir bereits bei unserer Ankunft in Wien auch für die Rückfahrt gekauft, denn hier gibt es keinen Ticketautomaten. Die „D“ ließ nicht lange auf sich warten, wir stiegen ein und fuhren los.

Haltestelle Nußdorf der Straßenbahnlinie D

Haltestelle Nußdorf der Straßenbahnlinie D

Nach gut 45 Minuten Fahrzeit erreichten wir den Ostbahnhof. Diesmal waren wir ohne Hetzerei so rechtzeitig am Bahnhof, dass wir auch den früheren Zug erreicht hätten, aber unsere Sparschiene Tickets hatte nur Gültigkeit für den Zug um 12:25 Uhr. So gingen wir zum Hauptbahnhof, wo es sehr viele Geschäfte gibt. Dort konnten wir uns auf jeden Fall die Zeit vertreiben. Etwas Gebäck und ein Wasser wurden als Reiseproviant gekauft. Gusti hatte noch Hartwürstel mit, die sie dann im Zug aufschnitt. Wir drei Weiber vertrieben uns die Zeit mit einigen Runden Schnapsen, während sich Peter in die Zeitung vertiefte. Zwischendurch ließen wir uns vom Bordservice einen Kaffee servieren und schon ertönte über Lautsprecher, dass wir in Kürze den Bahnhof St. Veit an der Glan erreichen würden.

Jetzt müsste nur noch mein Auto vor der Tür stehen, dann war alles perfekt gelaufen. Eine halbe Stunde Autofahrt trennte uns noch von zu Hause. Gusti und Peter wurden von ihren Enkelkindern schon sehnsüchtig erwartet. Herzlich war die Verabschiedung und wir hoffen, dass es nicht das letzte Mal sei, das wir gemeinsam verreist waren.

UND NOCH EIN WORT ZUR REISE

Bei dieser Reise hatten wir für den Fahrpreis von Euro 249,00 wirklich viel geboten bekommen. Einzig bei der Massage sind wir durchgefallen. Das nächste Mal wissen wir, dass wir gleich beim Einchecken einen Termin für diese Dienstleistung vereinbaren müssen, bevor alle Termine ausgebucht sind. Das Schiff ist sicher das schönste auf dem wir bis jetzt unterwegs waren – kein Wunder, es ist auch das teuerste je gebaute Flusskreuzfahrtschiff. Die Kabinen waren sehr geräumig – welch Überraschung, denn in der Ausschreibung war eigentlich von Stockbetten die Rede. Es war überall blitzblank. Das Personal war sehr aufmerksam und zuvorkommend und hat auch gut Deutsch gesprochen. Das Essen war köstlich und wir waren sehr dankbar dafür, einmal bei der Aufzeichnung einer Kochshow dabei sein zu können. (Wir sind im Hintergrund als Statisten zu sehen auf: http://www.puls4.com/kochmitoliver/videos/Ganze-Folgen/Koch-mit.-Oliver-vom-09.10.2016) Man sieht, dass es auch ohne Kreuzfahrtdirektor geht. Die Damen an der Rezeption hatten alle Ausflüge gut organisiert und abgewickelt. Der Kapitän hat immer wieder die wichtigsten Sehenswürdigkeiten rechtzeitig angekündigt und erklärt. Rundum war es eine tolle Reise.

Dank an Mutti, Gusti und Peter, die es geschafft haben, die Reise mit mir zu genießen. Es war so schön, dass wir es wiederholen sollten!

Posted by fegoesrhein 16:55 Archived in Austria

Tag 3 Fortsetzung

Die Doppelstadt Komarom (HU) – Komarno (SK)

sunny 32 °C

Schon während der Dunkelheit hatte das Schiff am Anleger in Komarom festgemacht. Bevor wir zum Frühstück gingen, musste ich schnell einen Blick nach Draußen werfen, um zu wissen, wo wir eigentlich gelandet waren. Es waren allerdings nur eine halbrunde Mauer mit vielen Löchern und ein begrüntes Dach zu sehen. Aber so soll es wohl sein bei einer gut geschützten Festung. Ich war schon richtig neugierig auf die Besichtigung. Allerdings mussten wir uns erst für den Rundgang stärken, denn die 70 ha große Anlage würde eine Herausforderung werden.

Festung Monostor

Festung Monostor

Die Festung Monostor ist Teil der Stadt Komarom, die sich bis zum Jahre 1945 links und rechts der Donau ausbreitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Grenzen in Europa neu gezogen und die Stadt geteilt. Durch die Schicksalsbrücke sind die Städte Komarom, die in Ungarn liegt, und Komarno, die heute in der Slowakei liegt, trotzdem vereint. Das ungarische Komarom wird auch gerne als „Gibraltar an der Donau“ bezeichnet. Befestigungsanlagen gibt es hier bereits seit 750 Jahren. Auf der ungarischen Seite liegen das Fort Sandberg (Monostor), das Fort Igmand und das Fort Stern, die alle über Gänge miteinander verbunden waren, um große Truppenverschiebungen unterirdisch durchführen zu können. Auf der slowakischen Seite liegen dann noch fünf weitere Festungsanlagen.

Monostor, die größte mitteleuropäische Festung der Neuzeit, wurde zwischen 1850 und 1871 erbaut und galt als uneinnehmbar. Etwa 13.000 Personen haben 21 Jahre lang an dem Bollwerk aus ungarischem Sandstein gebaut. Die sechseckigen Steinblöcke wurden präzis gemeißelt, um einen eventuellen Kanonenkugeltreffer auch zu überstehen. Die Mauern haben eine Stärke von 1,5 – 6 Metern und werden von einem 3-4 Meter dicken Erdwall schützend bedeckt. Die drei Bastionen sind durch einen mehrere Kilometer langen, trockenen Burggraben, durch beidseitige Kasematten und zusammengesetzte Galerien miteinander verbunden.

Steinblöcke Festung Monostor

Steinblöcke Festung Monostor

Der 10.000 m² große Hof, der als Exerzier- und Versammlungsplatz genutzt wurde, wird von einem 32.000 m² großen, größtenteils mit Erde belegten Gebäudekomplex mit etwa 640 Räumen umschlossen. Über drei Stockwerke verteilt findet man 78 Kanonenschießscharten. Wir gingen vorerst durch die Kasematten und konnten so einen Eindruck gewinnen, wie die Soldaten die Kanonen auf den angreifenden Feind gerichtet hatten. In den kleinen Räumen waren 20 bis 30 Soldaten untergebracht. Es gab Massentoilettenanlagen, die gleichzeitig von sechs Personen genutzt werden konnten. Die Abwässer wurden direkt in die vorbeifließende Donau geleitet.

Kanonenschießscharte mit trockenem Burggraben

Kanonenschießscharte mit trockenem Burggraben

Die Gebäude bestehen aus einem Keller, in dem die Lebensmittel und Getränke gelagert wurden, ebenerdig wohnten die Soldaten und in den Obergeschossen hatten die ledigen Offiziere ihre Schlafräume. Für Offiziere mit Familien standen in der Husarkaserne eigene Häuschen zur Verfügung. Im Zentrum der Festung, die der Verteidigung der Donau diente, lag der Appellplatz, der heute als Freiluftbühne benutzt wird. Wir konnten ihn von den oberen Stockwerken aus besichtigen und dabei erst feststellen, welche Ausmaße dieses Bauwerk hatte.

Blick auf Appellplatz

Blick auf Appellplatz

Die inneren Burgwände sind 10, die äußeren 8 Meter hoch. Das begrünte Dach ist begehbar. Von hier aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Donau und die umliegende Umgebung. Deshalb wurde hier von den Sowjets ein Schießstand errichtet. Die Festung wurde von der Roten Armee zwischen 1945 – 1990 als Depot für mehrere tausend Waggon Kriegsmaterial benutzt. Von der Aussichtsplattform aus hatten wir natürlich auch einen wunderschönen Blick auf die MS Primadonna und die gegenüberliegende Schwesternstadt. Die Geschichte der Stadt wurde immer schon durch ihre strategische Lage am Zusammenfluss der Donau und der Waag bestimmt, die diesem Ort besonders schwer zugänglich machte. Bereits unter dem Namen „Brigetio“ wurde hier von den Römern eine Festung errichtet, um die Wege nach Wien zu kontrollieren. Nachdem Napoleons Soldaten Wien erreicht hatten, flüchtete Kaiser Franz I nach Komarom. Das von ihm errichtete Fort sollte bis zu 200.000 Mann aufnehmen können. Der höchste Belegschaftsstand der in der Festung lebenden Soldaten betrug allerdings nur 8.000 Männer.

Über Treppen gelangten wir wieder ins Erdgeschoss zurück. Dort befinden sich ein Museum und eine kleine Kantine. Da man hier auch in Euro bezahlen konnte, genehmigten wir uns etwas zu trinken außerhalb des Schiffes. Wir hatten uns entschlossen an der ersten Führung durch die Festung um 9:00 Uhr teilzunehmen. Die zweite begann erst um 10:00 Uhr. So hatten wir etwas Zeit den festen Boden unter unseren Füssen zu genießen. Doch zog es uns eigenartiger Weise schon bald auf das Schiff zurück. Die Matrosen nützten nämlich die Zeit, um den an Bord produzierten Müll zu beseitigen. Hier wurden an Land Container bereitgestellt und so konnte sackweise der Müll von Bord getragen werden.

Am Sonnendeck suchten wir uns ein schönes Plätzchen im Schatten. Dort genossen wir einen kühlen Drink, während es sich einige Damen im Jacuzzi gemütlich machten. Viele Passagiere benutzten auch die bereitgestellten Sonnenliegen. Lange hatten wir ja nicht Freizeit, denn um 12:15 Uhr wurden wir vom Küchenchef zum Essen gerufen. Während des Mittagessens wurde das Schiff vom einen Ufer der Donau auf das andere Ufer überstellt, denn Nachmittag stand ein Stadtrundgang im abgetrennten Stadtteil auf dem Programm, der heute auf slowakischer Seite liegt.

Leben am Sonnendeck der MS Primadonna

Leben am Sonnendeck der MS Primadonna

Um 14:00 Uhr wurden die ersten zwei Gruppen von ihren Stadtführern am Ufer erwartet. Die nächsten Gruppen würden erst eine Stunde später starten. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg in die 36.800 Einwohner zählende Stadt Komarno. Der Schiffsanleger befand sich auf einer kleinen Insel. Sie heißt Elisabeth Insel, da hier Kaiserin Sissy das erste Mal ungarischen Boden betreten hatte auf ihrer Schiffsreise in die ungarische Hauptstadt Budapest. Über eine kleine Brücke gelangten wir dann in die eigentliche Stadt. Es war ein furchtbar heißer Nachmittag. Unsere junge Stadtführerin war sehr bemüht für ihre Ausführungen immer einen schattigen Platz zu finden.

Den ersten Halt machten wir in einem Park, in dem die Statue Franz Lehars den Mittelpunkt bildete. Hier wurde 1870 der berühmte Operettenkomponist geboren. Deshalb finden hier auch jedes Jahr Operettenfestspiele statt. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit im 15. Jahrhundert. Viele Prachtbauten entstanden dann auch zur Zeit der K.&K. Monarchie. Die Bauten der Stadt wurden erneuert und renoviert und erstrahlen jetzt in neuem Glanz.

Geburtsstadt von Franz Lehar

Geburtsstadt von Franz Lehar

Sehr gekünstelt wirkt hingegen ein Projekt der Neuzeit. Auf einer Fläche von etwa 25.000 m² entstanden um die Jahrtausendwende 36 skurille Häuser am Europaplatz. „Das Wesen der architektonischen Darstellung liegt darin, dass die einzelnen Gebäude des Platzes in stilisierter Form die architektonischen Merkmale einer breiten Palette der europäischen Regionen tragen. So hat der Besucher die Möglichkeit, die architektonischen Merkmale von 36 Länder und landschaftlichen Einheiten an einem Ort anzuschauen.“ Das war das Ziel der Stadtverwaltung. So ist eine bunte Mischung aus Fassaden, die an Fachwerkbauten in Deutschland erinnern, oder Gaudi-Bauten in Barcelona ähneln, entstanden. Ebenso vertreten sind Nachbauten aus Holland, England, Irland, Portugal und unter anderem auch Österreich. Alle Häuser sollten mit kleinen Geschäften zum Leben erweckt werden. Unterirdisch befindet sich zusätzlich noch eine Verkaufsfläche von 3.500 m² für ein Einkaufszentrum. Leider wurde die gesamte Anlage nicht angenommen.

Europaplatz in Komarno

Europaplatz in Komarno

Danach hatten wir noch Zeit etwas durch die schöne Altstadt zu schlendern. Leider gab es kein schönes, altes Cafe, wo wir etwas trinken und eine süße Spezialität des Landes dazu essen konnten. Da es sowie so unerträglich heiß war, beschlossen wir gleich zum Schiffsanleger zurückzukehren. Dort wurde um 16:45 Uhr im klimatisierten Primo Theatro Kaffee und Kuchen serviert. Danach begaben wir uns in die Panoramabar und spielten eine Runde Karten bis das Schiff um 17:30 Uhr wieder zum Ablegen fertig war.

Beim Schein der untergehenden Sonne genossen wir während des köstlichen Abendessens die vorüberziehende Landschaft. Nächster Halt würde leider schon wieder in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages Wien sein. Nach dem Abendessen wurden wir zu einem Unterhaltungsabend im Bordtheater eingeladen. Vier Zigeuner aus Oberungarn spielten Melodien aus der Puszta und der goldenen Operettenzeit. Wir allerdings wollten die Einfahrt unseres Schiffes in das zweigrößte Donaukraftwerk Gabcikovo nicht versäumen.

Peter war schon ganz aufgeregt, als wir uns der Schleuse näherten. Die Ampel war auf Grün gestellt, aber es befand sich bereits ein großes Flusskreuzfahrtschiff in der Schleusenkammer. Peter hätte gewettet, dass wir mit unserem Schiff darin nicht mehr Platz finden würden. Aber die Ampel war auf Grün und wir fuhren ein. Links und Rechts blieb wirklich nicht mehr sehr viel Platz, aber wir wurden beide gemeinsam um etwa 32 m gehoben. Immerhin ist die Schleusenkammer 275 Meter lang und 34 Meter breit. Der Schleusenvorgang dauerte etwa eine halbe Stunde.

Nochmals mussten wir auf die schönen Tage an Bord der MS Primadonna anstoßen, bevor wir zum letzten Mal in unserer Kabine übernachten würden. Zu schnell war die Zeit vergangen.

Posted by fegoesrhein 16:53 Archived in Hungary

Tag 2 Fortsetzung

DIE PANONISCHE TIEFEBENE

sunny 29 °C

In der Nacht wurden wir von einem lauten Motorengeräusch geweckt. Auch hatte das Schiff leicht tuschiert. Kurz nach Mitternacht sind wir in die Schleuse des Kraftwerkes Gabcikovo eingefahren und mit dem Schiff etwa 20 m gesenkt worden. Der Schleusenvorgang hat eine gute Dreiviertelstunde gedauert und für Mutti war da an Schlaf nicht mehr zu denken. Als wir die Schleuse verlassen hatten, erreichten wir wieder ruhiges Fahrwasser und das Schiff glitt fast lautlos dahin.

Als am Morgen unser Wecker abging, lag das Schiff schon in Esztergom vor Anker. Wir trafen uns mit Gusti und Peter im Speisesaal zum Frühstück. Das wurde in buffetform gereicht. Nach einem herzlichen „Guten Morgen“ begannen wir unser Frühstück – jeder nach seinem Gusto – zusammenzustellen und an den Tisch zu transportieren. Kaffee wurde serviert. Für Tee standen Teekannen und heißes Wasser bereit. Neben dem obligaten Müsli, Jogurt, frische Früchte und Ceralien gab es natürlich auch Wurst, Käse, Marmelade und verschiedenes Gebäck. Außerdem standen noch Rührei mit Speck und Röstkartoffeln in Warmhaltebehältern zur Entnahme bereit. Jeder der suchte, fand auch was sein Herz begehrte. Für die Süßen gab es noch Kipfel und Kuchen.

Am Vorabend hatten wir schon eine Fahrt mit einem Bähnchen auf den Burghügel hinauf gebucht. Der Anstieg war etwas steil und so hatten wir auch die Möglichkeit, ein wenig von der Stadt zu sehen. Unser Schiffanleger lag direkt neben der Maria-Valeria-Brücke, benannt nach der jüngsten Tochter der Kaiserin Sissi. Die Freundschaftsbrücke, wie sie noch genannt wird, verbindet Esztergom mit dem am slowakischen Ufer liegenden Ort Sturovo. Wir gingen ein kleines Stückchen zu Fuß entlang der Donau bis zur Haltestelle der Bahn. Die anderen Passagiere des Schiffes bestiegen den steilen Burghügel auf dem die altertümliche Festung und der imposante Dom thronen.

Blick auf den Burghügel mit der St. Adalbert Kathedrale in Esztergom

Blick auf den Burghügel mit der St. Adalbert Kathedrale in Esztergom

Die Stadt Esztergom ist mit etwa 30.000 Einwohnern eine der ältesten Städte Ungarns und der Dom galt lange Zeit als das Zentrum der Römisch Katholischen Kirche in Ungarn. Die kleine Fußgängerzone war recht belebt. Sonst gibt es in der Stadt noch viele postsozialistische Wohnbauten, die schon in die Jahre gekommen sind und dringend einer Renovierung unterzogen werden müssten. Viele der alten Jugendstil Stadtvillen waren dem Verfall preisgegeben. Die Fenster waren mit Sperrholzplatten verriegelt worden. Aber es gibt ein modernes Erlebnisbad mit langer Wasserrutsche und Wellness Paradies.

Die Kathedrale Unserer Lieben Frau und des heiligen Adalbert ist die größte Kirche Ungarns und die drittgrößte Europas. Von der Donauseite aus hatte ich sie bereits 2014 bei unserer Flusskreuzfahrt vom Schwarzen Meer nach Passau gesehen. Mutti hatte sogar schon vor 33 Jahren die 410 Stufen in die Kuppel bestiegen und von dort aus den herrlichen Blick auf die pannonische Tiefebene genossen. Leider wurde das Stiegenhaus gerade renoviert. Als wir den Burghügel mit dem Bähnchen erreicht hatten, tummelten sich außer den vielen auswärtigen Besuchern noch viele Arbeiter am Vorplatz der Kirche. Der Rasen wurde gerade gemäht. Der Dom hatte so viele Säulen, dass er fast einem griechischen Tempel ähnelte. Unter dem reich verzierten Giebeldreieck stand der Spruch „Kopf, Mutter und Lehrerin der ungarischen Kirche“.

St. Adalbert Kathedrale in Esztergom

St. Adalbert Kathedrale in Esztergom

Unsere Führerin kaufte rasch die Eintrittskarten und schon konnten wir ins Innere der Kirche. Rechts vom Eingang wies sie uns noch auf eine Gedenktafel von Franz List hin. Der Komponist hatte zur feierlichen Einweihung des Doms 1856 die Graner Messe geschrieben. Ich wurde von der Helligkeit und der Größe des Domes überwältigt. Von der Krypta bis zum Kreuz beträgt seine Höhe 100 Meter. Der nach den Plänen der Architekten Janos Packh und Jozsef Hild erbaute Dom hat eine Breite von 50 Metern. Das Kirchenschiff ist 120 Meter lang. Die mit viel Gold verzierte 70 Meter hohe Kuppel hat einen Durchmesser von 33 Metern und soll den Sternenhimmel darstellen. Circa 8.500 Leute können hier stehend am Gottesdienst teilnehmen.

Kuppel St. Adalbert in Esztergom

Kuppel St. Adalbert in Esztergom

Unsere Gruppe setzte sich auf die Kirchenbänke, denn die Ausführungen unserer Begleiterin sollten ungefähr eine Stunde dauern. Die Kathedrale war voller Schätze. Es gab nicht nur den großen Hauptaltar mit dem größten Altarbild der Welt, sondern auch viele bedeutende Nebenaltäre. Der rechte Seitenaltar zeigte ein Bildnis von König Gellert (Gerhard) über die Entstehungsgeschichte Ungarns. Der Maler hatte sogar die Kathedrale auf dem Gemälde verewigt. Noch gewaltiger ist jedoch das vom italienischen Maler Michelangelo Grigoletti gemalte Hauptaltarbild. Die Darstellung der Himmelfahrt Marias ist mit seiner Größe von 13,5 mal 6,5 Metern das größte Gemälde, das je auf einem Stück Leinwand geschaffen wurde. Der davorstehende vergoldete Altar blendete im Licht der Sonnenstrahlen.

Größte Altarbild der Welt in Esztergom

Größte Altarbild der Welt in Esztergom

Einen kurzen Blick warfen wir noch in die italienische Kapelle, in der ungarische Kardinäle in Kunstwerken aus rotem Marmor bestattet sind. Die byzantinisch anmutende Kuppel der Kapelle erstrahlte in Gold. Die mit 3.350 Pfeifen ausgestattete Orgel wurde vom Orgelbaumeister Ludwig Mooser aus Salzburg 1856 zur Einweihung des Doms fertiggestellt. Ihren spektakulären Klang verdankt sie den 147 Registern, 38 Stimmen und der hervorragenden Akustik innerhalb der Kathedrale. Für einen Besuch der Schatzkammer und der Krypta hatten wir leider keine Zeit.

Drittgrößte Orgel Europas

Drittgrößte Orgel Europas

Beim Ausgang hatte man einen schönen Blick auf die Festung. Schon zur Römerzeit war hier ein Kastell gewesen. Fürst Geza war 971 der erste Herrscher, der diesen Aussichtsplatz als Ort für eine ständige Residenz wählte. Während der Kriege mit den Osmanen wurde die Burg mehrmals zerstört und der vergrabene Regierungssitz wurde erst 1934 wieder freigelegt. Vom Burgberg aus hatten wir einen grandiosen Blick auf die Donau, wo unser Schiff lag, auf die Marie Valeria Brücke und auf die umliegende Umgebung.

MS Primadonna am Anleger Esztergom

MS Primadonna am Anleger Esztergom

Danach ging die Fahrt mit dem Bähnchen wieder talwärts. Kurz bevor wir das Schiff erreichten, ließ der Kapitän schon warnend das Signalhorn blasen. Um 10:30 Uhr hieß es schon wieder Leinen los und der Kapitän konnte sich keine Verspätung leisten, denn es stand heute noch viel auf dem Programm. Wieder an Bord zurückgekehrt, wechselten wir die langen gegen kurze Hosen ein und suchten uns einen schönen, windgeschützten Platz am Sonnendeck, wo für ein paar Stunden „Relaxen“ angesagt war. Ein kühles Getränk ließ den Esztergomer Burghügel mit der Festung, der Kathedrale, der Vizivaros Kirche mit dem alten Bischofpalast in der Wasserstadt und der Statue des Heiligen Stefan in einem noch schöneren Licht erscheinen.

Burgberg Esztergom

Burgberg Esztergom

Einige Damen wagten sich ins kühle Nass des kleinen Whirlpools. Später übernahmen die einzigen zwei Kinder, die sich an Bord befanden, mit ihren Eltern den Suppentopf. Wir ließen die Landschaft an uns vorüberziehen. Waren wir bisher auf der Donau stets gegen Osten gefahren, wechselten wir jetzt unsere Fahrtrichtung auf Süd. Beim sogenannten Donauknie durchfließt die Donau beinahe in einem rechtwinkeligen Knick ein Mittelgebirge, das sich als ungarische Schweiz bezeichnet. Das etwa 70 Kilometer lange Gebiet, das sich von Esztergom bis kurz vor Budapest erstreckt, wurde durch die Erklärung zu einem Nationalpark geschützt und ist vor allem bei Fischern und Wanderern sehr beliebt.

Zum Glück ist es nicht mehr zum Bau des Donaukraftwerkes gekommen, das laut Plänen der sozialistischen Regierung hier hätte errichtet werden sollen. Einen Prachtbau am Ufer hat dieses Regime doch hinter lassen – das Hotel des Lepence Thermalbades, dessen terrassenförmige Becken mit 36 bis 38 Grad warmen Wasser gefüllt sind. Danach tauchte auf einem 320 m hohen Berg Visegrad mit der um 1247 entstandenen Burg, der Zitadelle mit dem Salomonturm und dem ab 1323 entstandenen Königspalast auf. Da es am Schiff keinen Kreuzfahrtdirektor gab, wies der Kapitän unseres Schiffes durch das Abspielen eines Tonbandes auf verschiedene Sehenswürdigkeiten hin. Sonst wurden wir von der Hoteldirektorin mit Informationen versorgt.

Burg Visegrad mit Salomonturm

Burg Visegrad mit Salomonturm

Visegrad lebt noch heute vom Glanz seiner Vergangenheit. Im 14. Jh. besaß die Stadt mit dem Königspalast den damals größten Gebäudekomplex in Ungarn. Seine Brunnen waren aus rotem Marmor, die Hallen hatten vergoldete Säulen. Ballspielsäle und weitläufige Gärten mit Fischteichen haben den Palast weit über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Schon 1335 war der Sitz des ungarischen Königs Schauplatz des Gipfeltreffens der Könige von Polen, Böhmen und Ungarns. Aus dieser Versammlung entstand auch im Feber 1991 die Erklärung von Visegrad, in dem sich die Staatschefs Ungarns, Polens und der Tschechoslowakei zur Zusammenarbeit auf den Gebieten Regionales, Wirtschaft und Kultur in Europa verpflichteten.

Kurz nach Visegrad teilt sich die Donau. Die Sportboote können auf den landschaftlich schönen, aber für große Schiffe zu schmalen St. Andreas Arm nach Budapest fahren. Wir nahmen den Hauptarm, der an der mittelalterlichen Stadt Vac vorbeiführt. Hier steht der einzige Triumphbogen Ungarns, der 1764 zu Ehren von Kaiserin Maria Theresia, dem damaligen Staatsoberhaupt von Ungarn anlässlich eines offiziellen Besuches in der Stadt errichtet wurde. Vom Fluss aus sah man hinter den hohen Hochwasserschutzmauern viele Kirchtürme herausragen.

Um 12:00 Uhr wurden wir zum Mittagessen gerufen. Das Essen war immer hervorragend – aber die Joghurtnocken, die mit getrockneten Blüten bestreut waren, waren der beste Teil des Menüs. Nach dem Essen gingen wir nicht mehr auf das Sonnendeck, da es dort zu heiß geworden war. Wir begaben uns in die Primavista Bar, wo die Aussicht genauso schön war. Allerdings war es hier klimatisiert und man spürte die Wärme von Draußen nur, wenn man an einem Sonnenplatz direkt am Fenster saß.

Die 38 Kilometer lange St. Andrä Insel ist Bestandteil des Donau-Ipoly-Nationalparkes. In der kleinen Stadt St. Andrä am Westufer der Insel haben sich viele Künstler angesiedelt. Auf der Insel selbst ist man mit dem Fahrrad unterwegs. Die 56 km² große Fläche wird als Naherholungsgebiet der Budapester verwendet. Am Ufer sah man immer wieder Leute beim Baden, Fischen, Paddeln und Kanufahren. Nachdem wir den südlichen Spitz der Insel hinter uns gelassen hatten, sahen wir schon die erste von neun Brücken, die in der Stadt Budapest beide Ufer miteinander verbinden. Die Autobahnbrücke Arpad hid liegt am nördlichen Spitz der Margareten Insel auf.

Die 2,5 km lange Margareteninsel wurde ursprünglich Haseninsel genannt. Im Mittelalter gab es einige Klöster auf der Insel. Heute wird sie sehr gerne von Erholungssuchenden belagert. Beliebt sind nicht nur die Bäder hier auf der Insel, sondern auch die vielen Thermalbäder, die man in der Stadt findet. Der 57 m hohe Wasserturm überragt den Blumengarten mit dem besonders schönen Rosengarten. Am Südspitz der Insel verbindet die Margaretenbrücke, die in der Mitte einen Knick hat, beide Ufer. Als wir unter dieser Brücke durchfuhren, konnten wir schon den ersten Blick auf das 268 m lange Gebäude des ungarischen Parlamentes werfen.

Parlamentsgebäude in Budapest

Parlamentsgebäude in Budapest

Als Vorbild für das von Imre Steindl in den Jahren 1885 bis 1904 errichtete Gebäude im neogotischen Stil diente der Palace of Westminster in London. In der Mitte des Gebäudes befindet sich der 96 m hohe Kuppelsaal, in dem die Stephanskrone mit den ungarischen Reichsinsignien aufbewahrt wird. Links und rechts davon befinden sich die Sitzungssäle und Räume für repräsentative Zwecke, sowie weitere 700 Räume – darunter auch die Amts-zimmer des Präsidenten der Republik, des Ministerpräsidenten und der National-versammlung. Das Parlamentsgebäude ist das drittgrößte Regierungsgebäude der Welt.

Am Ende des Parlamentsgebäudes überquert die 400 Meter lange Kettenbrücke die Donau, die zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist. An beiden Enden bewachen je zwei Steinlöwen die Konstruktion. Für den heutigen Verkehr ist die Brücke fast schon zu schmal, aber die Einwohner der Stadt haben beschlossen, dass die zentrale Verbindung zwischen den Stadtteilen Buda und Pest vorrangig eine Sehenswürdigkeit von Budapest bleiben soll. Sie wird auch einige Male im Jahr gesperrt und zur Fußgängerbrücke. Besonders beliebt ist es hier Silvester zu verbringen. Wir fuhren mit dem Schiff unter der Brücke durch. Für mich ist es kaum vorstellbar, wie die kleinen Flugzeuge beim Redbull Air Race unter diese Brücke durchfliegen können.

Kettenbrücke Budapest

Kettenbrücke Budapest

Unter der Elisabethbrücke und der Freiheitsbrücke steuerten wir auf die Freiheitsstatue mit dem Palmenblatt auf dem Gellertberg zu. Darunter machten wir an der Anlegestelle Nummer 36 auf der Pester Seite gegen 14:00 Uhr fest. Es war sehr interessant, den Matrosen bei Anlegemanöver zuzusehen. Am Kai standen schon fünf Busse für uns bereit. Eineinhalb Stunden sollte die Rundfahrt durch die Stadt dauern. Unsere flotte ungarische Reiseleiterin erzählte uns, dass etwa 1,7 Millionen Menschen in Budapest leben würden. Im Felsmassiv des Gellertberges liegt die 1924 von Paulaner Mönchen nach dem Vorbild der Grotte von Lourdes erbaute Felsenkirche mit Klosteranlage. Der 235 m hohe Gellert Berg oder Ofenberg besitzt mehrere heiße Thermalquellen, die für die Speisung von Heilbädern verwendet werden.

Neben der größten jüdischen Synagoge Ungarns ist das Tickethäuschen, wo der Fahrer eine Karte für die Auf- und Durchfahrt durch das Budapester Burgviertel kaufte. Beim Auffahren auf den Budaer Hügel, auf dem das Burgviertel liegt, hatten wir einen wunderbaren Blick auf das an der Donau liegende Parlamentsgebäude. Eigentlich weiß man beim Befahren dieser sogenannten „Bergstraße“ gar nicht, auf welche Seite man zuerst schauen sollte. Von hier aus kann man nämlich so viele Sehenswürdigkeiten erblicken. Der Budaer Burgpalast gehört zu den größten Gebäuden Europas. Er kann auch mit einer Standseilbahn von der Kettenbrücke aus erreicht werden. Zweimal wurde der imposante Gebäudekomplex zerstört – ein Mal von den Osmanen und 1944 als sowjetische Truppen die Stadt belagerten. Nach der Wende 1990 wurde jedoch mit der vollständigen Restauration des Viertels begonnen.

Neben der Burg liegt ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Das bunte Dach der Matthiaskirche ist von weitem sichtbar. Angrenzend liegt die Fischerbastei mit ihren verspielten Türmchen, die sich in der modernen Fassade des Hilton Hotels spiegeln. Leider konnten wir mit der für den Bus gekauften Karte nicht halten. Wir hatten dafür auch nicht so viel Zeit, denn wir wollten auch noch die Sehenswürdigkeiten auf der Pester Seite besichtigen.

Matthias Kirche, Fischerbastei und Hilton Hotel

Matthias Kirche, Fischerbastei und Hilton Hotel

Über die Elisabeth Brücke, genannt nach Kaiserin Sissy, gelangten wir ans andere Ufer der Donau. Viel Betrieb herrschte in der Markthalle. Vom Burgberg aus hatten wir schon einen Blick auf den Stefansdom geworfen. Beim Vorbeifahren konnten wir aber erst seine Größe richtig erfassen. Es ist immer ein Erlebnis, wenn man über die breite Andrassy Straße auf die 36 m hohe Siegessäule des Heldenplatzes zufährt. Das sogenannte Millenniumsdenkmal besteht aus hohen Kolonaden und vielen Statuen. Gesäumt wird der Platz von der städtischen Kunsthalle auf der einen Seite und dem Museum der feinen Künste auf der anderen Seite. Auf der Rückseite des Platzes beginnen das Stadtwäldchen mit dem Varosligeti See, auf dem im Winter eisgelaufen wird und der Budapester Zoo.

Heldenplatz, Budapest

Heldenplatz, Budapest

Das Opernhaus, das im Botschafts- und Villenviertel der Stadt liegt, ähnelt sehr dem Gebäude der Wiener Staatsoper. Vorbei am Stefansdom gelangten wir wieder an das Ufer der Donau zurück. Vor dem Hotel Intercontinental endete unsere Stadtrundfahrt mit dem Bus. Wir hatten jedoch schon am Schiff eine Fahrkarte für eine spätere Rückfahrt zum Schiffsanleger gekauft. So würden wir die Möglichkeit haben, noch auf eigene Faust die Stadt etwas zu erkunden. Da es sehr heiß war, beschloss Mutti gleich mit dem Bus zum Schiff zu fahren. Gusti, Peter und ich bummelten noch etwas durch die Fußgängerzone, wo auch die Haupteinkaufsstraße lag. Einige Ansichtskarten, Briefmarken und Zigaretten mussten auch noch besorgt werden, bevor wir in einem Kaffee platznahmen. Auf jeden Fall musste eine der berühmten „Gundelpalatschinken“ ausprobiert werden.

Gundelpalatschinke

Gundelpalatschinke

Wir begaben uns dann wieder zum Hotel Intercontinental, wo der Bus zur Rückfahrt zum Schiffsanleger auf uns wartete. Mutti hatte schon in der Panoramabar ein Plätzchen für uns reserviert. Peter entschloss sich, ein kleines Nickerchen in der Kabine zu machen und wir drei Damen genossen einfach die Aussicht auf die „Perle der Donau“. Vor dem 4-Gang-Abendessen genehmigten wir uns noch einen Aperitif. Nach dem Essen begaben wir uns sofort wieder in die Bar, weil man von dort aus einfach die beste Aussicht hat.

Um 22:00 Uhr hieß es Leinen los, nicht aber vorher noch einen ausgiebigen Blick auf die beleuchtete Stadt während einer Schleifenfahrt zu nehmen. Es war sehr erstaunlich, wie viele Schiffe auf der Donau unterwegs waren – vom Ausflugsdampfer über Dinnercruiseboote bis zu den großen Flusskreuzfahrtsschiffen. Beim Ablegen verabschiedeten wir uns vom Engel am Gellert Berg mit der darunter liegenden Technischen Universität.

Technische Universität Budapest mit dem Gellertberg

Technische Universität Budapest mit dem Gellertberg

Danach unterfuhren wir wieder alle Brücken. Die Ungarn lassen sich die Beleuchtung ihrer Hauptstadt was kosten. Besonders schön beleuchtet sind die Gebäude am Burgberg. Man weiß zeitenweise wirklich nicht, auf welche Seite man den Kopf wenden soll. Aber der Blick vom Sonnendeck des Schiffes aus biete auf jede Seite freie Sicht.

Budapester Burg, Matthiaskirche, Fischerbastei

Budapester Burg, Matthiaskirche, Fischerbastei

Am schönsten erleuchtet ist natürlich das Parlamentsgebäude. Als wir daran vorbeikamen, wusste ich, dass wir die Stadt schon wieder hinter uns gelassen hatten. Für mich ist Budapest, die schönste Stadt an der Donau. Fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen links und rechts des Flusses. Budapest ist auf jeden Fall einen Besuch wert – ob bei Tag oder bei Nacht. Wir genossen noch etwas die Musik des Pianospielers an der Bar während sich das Schiff auf unser nächstes Ziel Komaron zusteuerte.

Budapester Parlament bei Nacht

Budapester Parlament bei Nacht

Posted by fegoesrhein 16:49 Archived in Hungary

Tag 1 Fortsetzung

DIE FEHLENDE HAUPTSTADT BRATISLAVA

sunny 30 °C

Früher Vogel fängt den Wurm. Nach diesem Motto müssen wir heute früh aufstehen, um möglichst viel aus unserem Tag rauszuholen.

Gusti und Peter holte ich um sieben Uhr mit dem Auto ab. In Feldkirchen besorgte ich uns noch frisches Gebäck für das Frühstück, das wir während der Bahnfahrt von St. Veit nach Wien zu uns nehmen würden. Es freut mich besonders, dass uns unsere Nachbarn bei dieser Fahrt begleiten werden. Kurz vor 08:00 Uhr verlässt der Railjet 532 den Bahnhof St. Veit. 3,5 Stunden dauerte die Fahrt nach Wien Hauptbahnhof. Dort stiegen wir aus und fuhren auf der Rückseite des Bahnsteiges mit der Rolltreppe nach unten. Am Ticketautomat kauften wir Fahrkarten für eine Fahrt innerhalb des Verkehrsverbundes Wien. Mit dieser Karte konnten wir mit der Straßenbahnlinie D bis zum Bahnhof Wien Nussdorf fahren. Etwas über vierzig Minuten dauerte die Fahrt vom neuen Hauptbahnhof an die Stadtgrenze von Wien.

Mit der D vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Nußdorf

Mit der D vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Nußdorf

Wir konnten diese Fahrt mit der Tram auch gleich als Stadtrundfahrt verwenden – liegt die Trassenführung doch in der Nähe von vielen Sehenswürdigkeiten. Schon bald nach dem Hauptbahnhof liegt mitten in einem riesigen Park das Schloss Belvedere. Am Ende dieser großen Anlage konnten wir einen Blick auf die Karlskirche erhaschen. Am Schwarzenberg Platz erreicht die Linie D den Ring mit seinen vielen Prachtbauten. Hier geht es Schlag auf Schlag: die Wiener Staatsoper, die Hofburg, gegenüber das Kunst- und Naturhistorische Museum gefolgt vom Parlament, dem Volksgarten, danach das Burgtheater und das fast gegenüber liegende Rathaus. Hinter der Universität Wien konnte man die Türme der Votivkirche sehen. Vorbei an der Roßauer Kaserne und dem Palais Liechtenstein gelangten wir zum Franz-Josefs-Bahnhof. Jetzt waren wir der Donau schon sehr nahe. Der von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Turm der Müllverbrennungsanlage Spittelau überragte die ganze Gegend. Kurz bevor wir unser Ziel erreicht hatten, fuhren wir noch an einem Symbol des sozialen Wohnbaues vorbei, dem aus den Jahren 1926 bis 1930 stammenden 1.200 Meter langen Karl-Marx-Hof.

Danach hatten wir dann auch schon den Bahnhof Nußdorf erreicht, von wo aus wir einen zehnminütigen Spaziergang zum Schiffsanleger machten. Wir wollten so rechtzeitig am Anleger sein, dass wir nicht auf das ganz große Chaos der Anreisenden mit den Taxis treffen – und dass hatten wir auch geschafft. Ab 14:00 Uhr hieß es Boarding und um 14:30 Uhr Leinen los. Zu meinem großen Erstaunen hing ein Willkommensplakat am Schiff mit der Aufschrift, dass wir bereits um 13:00 Uhr auf das Schiff konnten. Natürlich umso besser, denn verändert hatte sich am Schiffsanleger Nußdorf nichts – hier gab es weder eine Bank zum Niedersitzen noch eine Toilette. So sollte man beim Einschiffen besser schönes Wetter haben und nicht zu früh am Anleger sein.

MS Primadonna mit Schiffsanleger Nußdorf

MS Primadonna mit Schiffsanleger Nußdorf

Wir bestiegen gleichzeitig mit einer Filmcrew das Schiff. Die MS Primadonna ist, behauptet die österreichische Reederei unter deren Flagge sie fährt, der einzig echte Fluss-Katamaran der Welt. Das zweigrößte Donaukreuzfahrtschiff hat eine Länge von 113,5 m, ist 17,4 m breit und erreicht eine Geschwindigkeit von 17 Knoten. In den 80 Außenkabinen haben 160 Passagiere Platz, die von 47 Besatzungsmitgliedern betreut werden. Das Schiff hat 4 Decks, auf denen sich unter anderem ein kleiner Indoor-Whirlpool, ein noch kleinerer Outdoor-Whirlpool und eine Sauna befinden. Besonders auffallend am Schiff ist die Doppelrumpfbauweise des Katamarans, die 9 m hohe Bugverglasung in dem sich die Donauarena „Primavista“ befindet und der Glasboden an der Rezeption, der eine außergewöhnliche Sichtweise auf die Welt unterhalb des Flusses freigibt.

Rezeption MS Primadonna mit Glasboden

Rezeption MS Primadonna mit Glasboden

Ich war schon sehr gespannt auf unsere Kabine. Am Oberdeck und Panoramadeck wurden die Kabinen schräg angeordnet, damit man keine freie Sicht auf den Balkon des Nachbarn hat. Durch diese Anordnung entsteht auch eine 60 m lange Hotelhalle, die mit gelben und roten Sofas möbliert war. Dadurch wurde eine bunte Atmosphäre geschaffen, in der die Passagiere gerne verweilten. Hier waren auch Kaffee in Thermoskannen, ein Samowar mit heißem Wasser für frischen Tee und kaltes Wasser zur freien Entnahme aufgestellt. Untermalen konnte man die Pause durch das Lesen der verschiedenen Zeitungen, die hier aufgelegt waren.

Hotelhalle auf der MS Primadonna

Hotelhalle auf der MS Primadonna

Unsere Kabinen waren allerdings am Heck des Hauptdecks und sollten laut Ausschreibung mit einem Stockbett ausgestattet. Der Bezug der Kabinen fand allerdings erst um 17 Uhr statt. Da die Decks allerdings nicht gesperrt waren, begaben wir uns gleich auf die Suche nach unseren Kabinen. Zugewiesen wurden uns an der Rezeption die Kabinennummer 123 und 125. Zu meinem großen Erstaunen hatten wir wunderschöne Kabinen, die keine Stockbetten hatten. Das nicht zu öffnende Bullauge war riesengroß und gab einen schönen Blick auf die Donau frei. Auch das kleine Bad hatte Alles, was man brauchte.

160910 MS Primadonna, Kabine 123 auf dem Hauptdeck

Da die Kabinen noch nicht bezugsfertig waren, begaben wir uns in den Speisesaal. Dort wurde uns in der Zwischenzeit das Mittagessen gereicht. Die Portionen von Vor-, Haupt- und Nachspeise waren nicht sehr groß, aber man konnte jederzeit Nachschlag verlangen. Uns reichten die drei Gänge vollkommen. Gleich nachdem wir abgelegt hatten, kamen wir an einer Besonderheit vorbei. Das Bundesgymnasium GRG 21 ist in zwei gekoppelten Schiffen untergebracht. Helmut Zilk hatte die Idee der schwimmenden Schule – einerseits herrschte in Wien am Schulsektor akuter Platzmangel, andererseits war die Schiffswerft Korneuburg durch den Ausfall der Sowjetunion als Auftragsgeber für Schiffe in ihrer Existenz bedroht. 1994 wurden die 36 Klassenzimmer, des auf den Namen Bertha von Suttner getauften Schiffsverbandes, bezogen.

Von der Wiener Altstadt sah man von Schiff aus Nichts. Entlang der Donau liegen die neuen, modernen Bezirke der Stadt. Der 202 m hohe Millennium Tower ist mit seinen 50 Geschossen das zweihöchste Bürogebäude Österreichs. Dahinter sieht man die vielen Türme der Pfarrkirche zum heiligen Franz von Assisi, die auch Kaiserjubiläumskirche oder Mexicokirche genannt wird. Auf der linken Seite im Stadtteil Kaisermühlen liegen die berühmtesten Strände Wiens – die Copa Cagrana und das Gänsehäufel. Der 252 m hohe Donauturm, der mitten im Donaupark steht, wurde 1962 bis 1964 anlässlich der Wiener Internationalen Gartenschau errichtet. Das Vienna International Center, in dem die Vereinten Nationen und das Austria Center Vienna untergebracht sind, zählt zu den älteren modernen Bauten Wiens. Kaum zu glauben, dass mit dem Bau des Gebäudekomplexes bereits 1973 begonnen worden war.

Bei der Mexicokirche überquert die Reichsbrücke die Donau. Ihre Vorgängerin stürzte am 1.8.1976 auf voller Breite der Donau ins Wasser. Nach dieser Brücke beginnt auf der rechten Donauseite der sportliche Teil Wiens. Hier befinden sich die ausgedehnten Grünflächen des Praters, der Trabrennplatz in der Krieau, das Wiener Stadion Bad und das Ernst-Happel-Stadion. Am Handelskai befindet sich nicht nur das Nobelhotel Hilton Danube Waterfront, sondern auch das aus der Serie SOKO Donau bekannte Hauptquartier der Schiffspolizei. Bevor wir dann in unsere erste Schleuse einfahren würden, kamen wir an Österreichs einziger Pagode vorbei. 1982 wurde mit dem Bau der buddhistischen Stupa begonnen.

Vorerst hatten wir in der Panoramabar platzgenommen, wo wir einen Kaffee zu uns nahmen. Von der Donauarena Primavista aus hatte man wirklich einen tollen Blick auf die umliegende Landschaft. Hinter uns saß auch das Filmteam. Ich war sehr erstaunt, einen Bekannten unter ihnen zu entdecken: Jamie von Kochen mit Jamie von Puls 4 war mit an Bord und es sollte eine seiner Kochshows hier am Schiff gedreht werden.

MS Primadonna, Donauarena Primavista

MS Primadonna, Donauarena Primavista

Dann war die Donau vor uns zum ersten Mal abgesperrt. Mit dem Kraftwerk Freudenau wird seit 1998 sauberer Strom aus Donauwasser erzeugt. Natürlich mussten wir dieses Wunderwerk der Technik aus der Nähe bestaunen. Durch Wien war das Sonnendeck wegen der vielen niederen Brücken geschlossen worden, aber jetzt war es wieder offen. Von dort aus konnten wir den Schleusenvorgang genau beobachten. Dies war ja für Gusti und Peter Neuland. Wir mussten in die Schleuse und konnten dabei beobachten, wie die Talsperre von den Radfahrern als Brücke über die Donau benutzt wurde. Kurz nach der Schleuse sieht man am Prater Spitz, wo der heutige Donaukanal wieder in die Donau mündet. Im Mittelalter war der Lauf des heutigen Donaukanals der eigentliche Hauptarm der Donau. Doch bereits um 1600 begann man mit der ersten Donauregulierung, bis Maria Theresia sie dann nach vielen Hochwasserschäden endgültig in ein neues Bachbett in den Norden der Stadt verbannte.

Kraftwerk Freudenau

Kraftwerk Freudenau

Sonst war ich immer während des Schleusenvorgangs mit dem Auspacken unserer Koffer beschäftigt. Diesmal musste ich allerdings am Sonnendeck bleiben, denn die Filmcrew hatte bereits ihre Kameras positioniert und auf den kochenden Jamie gerichtet. Er würde im Laufe der Aufzeichnung Köstlichkeiten aus Wien, Bratislava und Budapest kochen – eben das Essen, das auch wir dann am Bord serviert bekommen würden. Als Vorspeise gab es Lachsforelle aus der Donau mit Speck ummantelt auf Polenta mit Gemüse. Zum Hauptgang natürlich ein scharfes Gulasch mit Semmelknödel aus Toastbrot. Topfenknödel auf Marillenspiegel wurden zum Nachtisch gereicht. Alle Speisen mussten bis Bratislava fertig sein, denn da ging die Filmcrew wieder von Bord. Die Sendung wird am 9. Oktober um 18:30 Uhr in Puls4 ausgestrahlt werden.

Aufzeichnung der Sendung „Kochen mit Jamie“

Aufzeichnung der Sendung „Kochen mit Jamie“

Nach dem Kraftwerk Freudenau führten viele dicke Rohre über die Donau. Sie transportieren Erdöl aus dem Zentraltanklager Lobau der OMV Wien zur nahegelegenen Raffinerie Schwechat. Immer wieder überquerten auch tieffliegende Flugzeuge, die am Wiener Flughafen landen würden, die Donau. Eigentlich liegt das Tanklager mitten in der Lobau. Dieser Wasserwald ist ein Teil vom Nationalpark Donau-Auen. In der Lobau hat sich die Daubelfischerei erhalten, bei der mit querstehenden Netzen, die in den Fluss abgesenkt werden, Flussfische gefangen werden. Dass Hochwasser keine Seltenheit ist, beweist die Bauweise der Fischerhütten, die das Flussufer in unangenehmer Art und Weise säumen. Alle sind auf Piloten erbaut.

Der 38 Kilometer lange Nationalpark Donau-Auen ist ein grünes Band, das sich von Wien bis zur Mündung der March an der Staatsgrenze zur Slowakei erstreckt. Er zählt zu den größten weitgehend intakten Aulandschaften Mitteleuropas. 1984 wurde diese Naturlandschaft durch den Plan hier ein Laufwasserkraftwerk zu errichten, bedroht. Durch die Besetzung der Hainburger Au, an der sich auch viele bekannte Persönlichkeiten wie Günther Nenning oder Peter Turrini beteiligten, konnte dieses Naturparadies für die Nachwelt erhalten werden.

In Carnuntum, das am Flussufer liegt, war schon zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. ein Legionslager und Verwaltungszentrum der römischen Provinz Pannonien. Hainburg an der Donau ist dann eine der letzten größeren Orte in Österreich. Dort, wo der Fluss eine leichte Biegung macht, mündet die March in die Donau. Sie bildet nicht nur die Grenze zur Slowakei, sondern auch den Beginn der Vorstädte der Stadt Bratislava. Die stark meandrierende March bildet auf 29 Kilometern die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei. Auf einem mächtigen Steinfelsen oberhalb des Mündungsgebietes liegt die Burgruine Devin oder auch die Burg zu Theben genannt. Zur mittelalterlichen Burg aus dem 13. Jahrhundert kam 200 Jahre später ein palastähnlicher Bau hinzu, um die Burg gegen die Osmanen zu schützen. Einzig Napoleon gelang es, sie einzunehmen und zu zerstören. Seit 1961 ist sie jedoch ein slowakisches Nationaldenkmal, das allerdings nur 40 m von der österreichischen Grenze entfernt liegt.

Burg Devin an der Mündung der March in die Donau

Burg Devin an der Mündung der March in die Donau

Die Stadt Bratislava dehnt sich zu beiden Seiten der Donau aus und liegt an den Ausläufern der Kleinen Karpaten. Die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes mit dem UFO Restaurant auf der Spitze des Pylonen in 85 m Höhe verbindet die beiden Stadtteile. Um 18:30 Uhr legten wir in Bratislava an. In der Abenddämmerung machten wir mit Kristina, einer sehr humorvollen Slowakin, einen geführten Stadtrundgang. Bratislava, das ehemalige Pressburg, ist mit etwa 500.000 Einwohnern nicht nur die größte Stadt der Slowakei, sondern auch die Hauptstadt. Sie liegt im Dreiländereck mit Österreich und Ungarn und ist damit die einzige Hauptstadt der Welt, die an mehr als einen Nachbarstaat grenzt.

Bratislava mit der Burg und der SNP-Brücke

Bratislava mit der Burg und der SNP-Brücke

Die Pressburg, die auf einem 85 m hohen Felsen über der Donau thront, beherrscht die Stadt. Hier siedelten die Kelten, die Germanen und die Römer. Die Pestsäule, vor der wir Halt machten, wurde zum Dank erbaut, dass Bratislava nicht viele Pestopfer hatte. Kristina meinte, dass hier schon immer mehr Wein als Wasser getrunken wurde. Von hier aus führt eine im Wellenmuster der Donau gepflasterte Fußgängerzone in den alten Teil der Stadt. Nicht nur in der Fußgängerzone stehen Bronzestatuen, sondern sie sind in der ganzen Stadt verteilt. In der Fußgängerzone steht eine von Hans Christian Anderson. Auf die Frage, ob er über Bratislava ein Märchen schreiben würde, antwortete der Dichter, dass die ganze Stadt ein Märchen sei.

Märchenhaft ist auch der Dom zu St. Martin. Der charakteristische, 85 m hohe Turm wird von der Nachbildung der ungarischen Stefanskrone auf einem Kissen liegend gekrönt. Sie hat einen Durchmesser von einem Meter und wiegt über 300 kg. 8 kg Gold wurden dafür verarbeitet. Während der Besetzung von Budapest durch die Osmanen fanden im Dom von 1563 bis 1830 die Krönungen von elf Königen und acht Königinnen statt – darunter auch die von Maria Theresia.

Krönungskirche St. Martin in Bratislava

Krönungskirche St. Martin in Bratislava

Heute ist Bratislava die kleine Autohauptstadt Europas. Hier werden nicht nur VW und Skoda erzeugt, sondern auch Peugeots. Das „Alte Rathaus“ erinnert an die französische Belagerung der Stadt in den Jahren 1805-1809. Das Rathaus, das am Hauptplatz liegt, besteht aus drei miteinander verbunden Gebäuden und besitzt einen Wehrturm. Viele andere Palais stammen noch aus der Zeit der k. und k. Monarchie oder sind im Jugendstil errichtet worden.

Rathaus zu Bratislava

Rathaus zu Bratislava

Nachdem der Primatialpalais in die Jahre gekommen war, verkaufte die Kirche das stark renovierungsbedürftige Gebäude der Stadt. Hier war 1805 der Frieden von Pressburg nach der für Österreich vernichtenden Dreikaiserschlacht von Austerlitz unterschrieben worden. Bei der Renovierung des Gebäudes wurden sechs Tapisserien aus dem Jahr 1630 mit Darstellungen aus der griechischen Mythologie entdeckt. Nach einigen Prozessen gegen die Kirche gelang es der Stadt Pressburg die Besitzrechte zu erhalten und so sind die wertvollen Gobelins heute für die Allgemeinheit im Palais zu besichtigen.

Primatialpalais Bratislava

Primatialpalais Bratislava

In der Kaffee Konditorei Mayer waren dann Vitrinen mit Kunstwerken der anderen Art zu besichtigen. Leider hatten wir keine Zeit, ein Stück der köstlichen Süßigkeiten zu verspeisen. An der Ecke des Hauses steht eine Statue des Stadtoriginals, des Schönen Ignazius, der vor jedem den Hut zieht und ins Kaffee einlädt. Die bekannteste dieser Skulpturen die durch die Stadt aufgestellt worden sind, ist jedoch der „Man at Work“ – der Mann, der aus dem Kanaldeckel guckt. Angeblich soll der Arbeiter bei einer Pause den vorbeigehenden Damen unter die Röcke gucken. Vor allem die Japaner und Chinesen legen sich zu ihm auf den Gehsteig für ein Foto.

The Man at Work

The Man at Work

Der Stadtrundgang endete dann wieder in der Fußgängerzone vor dem Slowakischen Nationaltheater, das reich mit Blumen geschmückt war. Da Bratislava von Wien aus mit dem Zug und dem Twin City Liner in ungefähr einer Stunde zu erreichen ist, sind viele Besucher des Theaters Österreicher, die lieber die Opern in der traditionellen Inszenierung sehen, als in modernen wie in Wien. Vor der danebenliegenden slowakischen Philharmonie waren schon Absperrungen vorbereitet. Am Samstag würde hier ein Gipfeltreffen der EU-Minister stattfinden. Die Slowakei hat zurzeit den EU-Vorsitz inne und ist somit Gastgeberland für viele Treffen.

Slowakisches Nationaltheater

Slowakisches Nationaltheater

Wir hatten danach noch ein bisschen Zeit, um durch die sehr belebte Fußgängerzone zu schlendern. Viele Einheimische und Touristen nutzen den lauen Abend, um draußen zu sitzen und ein Gläschen Wein zu trinken. Gut war auch das Eis, das Gusti und Peter probiert hatten. Weit war es nicht mehr bis zum Schiff. Auf den Weg dorthin genossen wir die schön beleuchtete Stadt. Mittlerweile war es finster geworden und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten erstrahlten in hellem Licht.

Bratislava mit Burg und Dom zu St. Martin bei Nacht

Bratislava mit Burg und Dom zu St. Martin bei Nacht

Wir hatten gerade noch ein wenig Zeit, uns für das Abendessen, das ab 20:15 serviert wurde, umzuziehen. Heute wurde sogar zu jedem Gang eine Weinbegleitung kredenzt. Wir hatten lustige Tischnachbarn aus dem Süden von Wien – ein Pärchen, das kein Pärchen war, aber sehr gut zusammenpasste. Beide sprachen dem Wein gerne zu und tanzten dann noch lustig in der Bar. Die Vorspeise, geräucherter Speck mit gebratenen Auberginen begleitet von einem Weißwein, war übersichtlich aber nicht so klein wie eine mit Ameisenleber gefüllte Schnittlauchrolle (Aussage unseres Tischnachbarn). Suppe vom Muskatellerkürbis war der nächste Gang. Danach konnte man wählen zwischen Beef Stroganoff mit drei Riesenspätzle oder Lachsforelle auf Polentascheibe, wahlweise mit roter oder weißer Weinbegleitung. Während des Essens hatten wir immer einen tollen Ausblick auf die beleuchtete Stadt. Zum Nachtisch wurden Käsevariationen mit Feigensenf serviert. Und obwohl die Portionen alle übersichtlich waren, wurden wir alle satt.

Noch während des Abendessens um 21:30 Uhr sagten wir der Slowakei ade. Für mich war auf jeden Fall Bratislava eine Reise wert und ich glaube, dass ich bei einem meiner Aufenthalte in Wien sicher wieder einmal einen Abstecher nach Pressburg machen werde. Zur Abendunterhaltung wurde im Bordtheater der Film „Der Clou“ gezeigt. Wir aber begaben uns wieder in die Panoramabar auf einen Schlaftrunk. Bis zur Mitternachtsjause um 23:30 Uhr hielten wir aber nicht durch, denn wir hatten einen langen und sehr ereignisreichen Tag hinter uns, denn wir mit vielen schönen Erinnerungen gefüllt hatten.

Posted by fegoesrhein 16:46 Archived in Slovakia

Fortsetzung folgt

sunny 25 °C

Jetzt haben wir mit Mutti zwei Reisen per Schiff über 3.500 km quer durch ganz Europa gemacht –im Juni 2014 auf der Donau von Tulca am Schwarzen Meer bis Passau und im April/Mai 2016 von Amsterdam auf Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau bis Wien. Natürlich haben wir Vieles noch nicht gesehen, weil wir auch bei Nacht an verschiedenen Städten vorbeigefahren sind. Leid tut es mir eigentlich nur, dass ich eine, auf dieser Strecke gelegene Hauptstadt nicht gesehen habe, nämlich die Wien nächstgelegene – Bratislava. Ebenso zählt die Slowakei neben Moldavien zu den einzigen Ländern an diesen Flüssen, in denen wir keinen Halt gemacht haben. Die Donau bildet auf etwa einen halben Kilometer den Grenzfluss für Moldavien – gerade eben, dass sie einen Hafenzugang haben.

Bratislava und Wien aber sind die zwei Hauptstädte in Europa, die sich am nächsten liegen – kaum eine Autostunde oder eine Stunde Fahrt mit dem schnellen Tragflügelboot entfernt. Deshalb hatte ich mir gedacht, dass ich die Stadtbesichtigung einfach nachholen werde. Ich erkundigte mich über eine Zugfahrt über Wien nach Bratislava, ein Hotel für zwei Nächte mit Frühstück, eine Stadtrundfahrt mit dem Bummelzug und die Rückfahrt nach Wien mit dem Twin City Liner. Dann tauchte auf einmal bei Hofer Reisen eine Minikreuzfahrt von Wien nach Budapest und retour um Euro 258,00 auf. Vollverpflegung am Schiff ist inkludiert, Wasser und Kaffee den ganzen Tag über auch, eine Weinbegleitung zum Abendessen am ersten Tag ist ebenso dabei wie 4 Ausflüge. Als kleine Draufgabe gibt es noch eine Massage am Bord der Primadonna während der Fahrt.

Dieser Preis war unschlagbar und deshalb haben Mutti und ich (mehr ich) beschlossen, die uns noch fehlende Hauptstadt auf diese Weise kennenzulernen. Besonders freut es mich, dass uns diesmal Gusti und Peter begleiten.

Deshalb gibt es jetzt auch schon bald eine Fortsetzung von FEgoesRHEIN.

Wir begrüßen euch dann mit einen freundlichen „Schiff ahoi“!

Posted by fegoesrhein 16:19 Archived in Austria

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